Deutsche Dichter und Denker
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Der Denker sagt das Sein,
der Dichter das Heilige!

Bilder, Gedichte und Sprüche in diesem Kanal verstehen sich als Nachahmung ohne Beurteilung.
Sie sind mit nötigem Ernst oder Spott zu genießen!

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März. Schmächtiger. Aus Fronmacht
Erwecktes Zart. O Lächeln
Noch zwischen Macht und Ohnmacht.
Die blassen Säfte steigen
Im Baum der Sonne nach
Zu schlafenden Gezweigen.
Und bleich im Ungewissen
Liegt Feld still neben Brache,
Ruht Land in Düsternissen. –
Der Lerche blauer Dom
Ist noch nicht aufgerichtet.
Doch wilder jagt der Strom.
Die Wasser drängts zu Meeren
Und heimlich hoch im Grau
Zieht es von Vogelheeren.
Nichts blickt zurück.
Was stockt
Ist stummes Sich-ermannen
Im strengsten Ruf der lockt.
Und um dich ist es schwer
Und leicht von Schlaf und Schauern
Von Lächeln und Begehr!


-Rudolf Georg Binding, geboren am 13.08.1867 in Basel – verstorben am 04.08.1938 in Starnberg-
@DeutscheDD
🥰25❤20👌8
Wir litten und stritten in leidvollen Jahren
in Flammen zusammen stolz gegen die Welt
die Heimat zu wehren vor feindlichen Scharen
in Not und Gefahren auf uns nur gestellt

In Schlachten und Wachten vom Lorbeer zerrieben
die Stirnen, in Hirnen die wehvolle Not
ist nichts uns geblieben, als dich, Land, zu lieben
Wir sind dir verschrieben getreu bis zum Tod

In Schanden und Banden, in heiligen Hallen
aus Schauern und Trauern glüht auf unser Schrei
Hinweg mit den Krallen der Zwietracht, dann fallen
die Ketten uns allen – erst dann sind wir frei!


💐 -Paul Böddinghaus, geboren am 03.03.1877 in Elberfeld – unbekannt verstorben-
@DeutscheDD
👍43❤33⚡5🫡5👏1
Mensch, - Heimat braucht die Erde!
Hört die Not, - sie singt, sie schreit:
Mannheit wache, Heimat werde,
Es ist Zeit!


-Gustav Arthur Gräser, geboren am 16.02.1879 in Kronstadt / Siebenbürgen – verstorben am 27.10.1958 in München-
@DeutscheDD
❤56👍16👏5👌3
Deutschland

Wie du mich treu begleitest
Auf meiner Wanderschaft,
An Mutterhand mich leitest,
Du Land voll Morgenkraft.

Wohin den Stab ich hebe,
Dein Auge sieht mich an
Und spricht: "Vertrau und lebe,
Mein Sohn und Wandersmann."

Wohin die Füße schreiten
In nimmermüder Lust,
Dein Feld und Anger breiten
Sich weit in meiner Brust.

Geruhig steht mein Wille
Wie dieser Felsen Hang;
Durch meines Herzens Stille
Rinnt deiner Ströme Klang!


🪦 -Otto Ernst Schmidt, geboren am 07.10.1862 in Ottensen bei Hamburg – verstorben am 05.03.1926 in Groß Flottbek-
@DeutscheDD
❤69👍14🥰5💯2
Die Externsteine

Wie ragen sie so stolz und hoch empor,
Umgeben von der Berge grünem Kranze!
Aus weiter Ferne grüßt Westfalens Tor
Und rings die Welt im Sommersonnenglanze.
Hoch über ihnen zieht der Wolken Schar
In wechselnden Gebilden in der Ferne,
Doch diese Felsen stehn unwandelbar,
Und über ihnen glänzen ew`ge Sterne.

Vom See herauf ertönt ein Waldgesang,
Die Welle rauscht von raschen Ruderschlägen;
Aus weiter Ferne klingt`s wie Glockenklang
Als wär`s ein feierlicher Abendsegen.
Ihr lichten Höhen und ihr Täler weit,
Ihr Riesenfelsen dort im stillen Grunde
Seid mir gegrüßt, aus grauer Väterzeit
Bringt ihr den spätsten Enkeln alte Kunde.

Was sie geschaut in längst vergang`ner Zeit,
Das künden uns die alten Heldensagen.
Sie sahn der deutschen Stämme blut`gen Streit,
Sie sahn Arminius seine Schlachten schlagen.
Das Alte fiel in harter Zeiten Lauf,
Die Völker kamen und die Völker gingen,
Ein neu Jahrtausend stieg vor ihnen auf:
Und weiter geht’s im heißen Völkerringen!


-Johann Friedrich Frevert, geboren 1841 in Detmold – verstorben 1914-
@DeutscheDD
❤55👍27🔥4💯2
Ehre und Pflicht, untrennbar verbunden, weil Pflichterfüllung – „Behauptung der Ehre“ ist, sind die treibenden Kräfte gewesen, die schon 1914 das Volk aufbrechen, die Anfang und Ende der Kriegserlebnisse überhaupt überdauern ließen..
Diese Pflichterfüllung war eine ganz schlichte Tat, wortloses Handeln aus Urgründen letzter seelischer Haltung heraus, das mit Bewußtsein als solchem nichts zu tun hat…
Der Freiwilligengeist, der für die Bejahung des auferlegten Schicksals das tragende Element ist, ist auch der Grundzug der Opferbereitschaft. Das Sterben ist dadurch geadelt, daß es kein blindes Sterben und Opfern war.


🪦80.🪦
-Günther Lutz 05.08.1910 in Kiel - 07.03.1946 in Weimar-
@DeutscheDD
❤37🫡20🔥8💯7👍5
Stark sein im Schmerz;
nicht wünschen, was unerreichbar oder wertlos ist;
zufrieden sein mit dem Tag, wie er kommt;
in Allem das Gute suchen, und Freude an der Natur und an den Menschen haben, wie sie nun einmal sind;
für tausend bittere Stunden sich mit einer einzigen trösten, welche schön ist, und aus Herz und Können immer sein Bestes geben, auch wenn es keinen Dank erfährt.

Wer das lernt und kann, ist ein Glücklicher, Freier und Stolzer und immer schön wird sein Leben sein.
Wer misstrauisch ist, begeht ein Unrecht gegen Andere und schädigt sich selbst:
Wir haben die Pflicht, jeden Menschen für gut zu halten, solange er uns nicht das Gegenteil beweist.
Die Welt ist so groß, und wir Menschen sind so klein;
da kann sich doch nicht alles um uns allein drehen.
Wenn uns was schadet, was wehe tut, wer kann wissen, ob das nicht notwendig ist zum Nutzen der ganzen Schöpfung?
In jedem Ding der Welt, ob es tot ist oder atmet, lebt der große, weise Wille des Allmächtigen und Allwissenden Schöpfers;
uns kleinen Menschen fehlt nur der Verstand, um ihn zu begreifen.
Wie alles ist, so muß es sein in der Welt, und wie es auch sein mag:
immer ist es gut im Sinne des Schöpfers!


-Dieser Spruch hing im Arbeitszimmer Seiner Majestät des Kaisers Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen, geboren am 27.01.1859 in Berlin – verstorben am 04.06.1941 in Doorn-
@DeutscheDD
❤78👍17🔥6💯6👏3😢3
Das Leben gilt nichts, wo die Freiheit fällt.
Das höchste Heil, das letzte, liegt im Schwerte!
⚔️

-Theodor Körner, geboren am 23.09.1791 in Dresden – gefallen am 26.08.1813 im Forst Rosenow bei Lützow-
@DeutscheDD
⚡45❤38🫡9👍5💯3
Leistengedicht für Agnes Miegel 💐

Ferne Stimme, streng und doch verwandt,
Übervoller, klarer Bogenstrich!
Rührend grüßt dein Lied und mütterlich
Aus dem Lande des Immanuel Kant.

Gruß zurück aus unserm weichern Land,
Nimm ihn an in Huld, wir bitten dich.
Eine kleine Melodie an sich,
Schwank und zier, doch herzvoll einbekannt.

Mit dem Märchen von der schönen Mete,
In den Nibelungen, in Agnete,
Ewig hast du dir ein Mal gesetzt.

Gehst uns mit des Nords verhaltnen Schritten
Ernst voran, von Güte sanft umglitten,
Löst mit Liebe Leid und Tod zuletzt.

- 💐 Josef Weinheber 💐, geboren am 09.03.1892 in Wien-Ottakring – verstorben am 08.04.1945 in Kirchstetten, Niederösterreich-

(💐Agnes Miegel 💐, geboren am 09.03.1879 in Königsberg – verstorben am 26.10.1964 in Bad Salzuflen)
@DeutscheDD
❤40👍7✍3🔥3💯2
BEKENNTNIS

Immer schon haben wir eine Liebe zu dir gekannt,
bloß wir haben sie nie mit einem Namen genannt.
Als man uns rief, da zogen wir schweigend fort,
auf den Lippen nicht, aber im Herzen das Wort
Deutschland.

Unsre Liebe war schweigsam; sie brütete tief versteckt.
Nun ihre Zeit gekommen, hat Sie sich hochgereckt.
Schon seit Monden schirmt sie in Ost und West dein Haus,
und sie schreitet gelassen durch Sturm und Wettergraus.
Deutschland.

Daß kein fremder Fuß betrete den heimischen Grund,
stirbt ein Bruder in Polen, liegt einer in Flandern wund.
Alle hüten wir deiner Grenze heiligen Saum.
Unser blühendstes Leben für deinen dürrsten Baum,
Deutschland.

Immer schon haben wir eine Liebe zu dir gekannt,
bloß wir haben sie nie bei ihrem Namen genannt.
Herrlich zeigte es aber deine größte Gefahr,
daß dein ärmster Sohn auch dein getreuester war.
Denk es, o Deutschland!

💐 -Karl Bröger geboren am 10.03.1886 in Nürnberg – verstorben am 04.05.1944 in Erlangen-
@DeutscheDD
❤65🫡24😢4✍2👌2💯1
Wir können nun zu jeder Stunde sterben.
Wir haben gesehen, weswegen es allein wert ist zu leben:
Daß Menschen in dem Gefühl des Ewigen und Unvergänglichen mit der freudigsten Hingebung all ihre Zeitlichkeit und ihr Leben darbringen können, als seien sie nichts!


-Ernst Moritz Arndt, geboren am 26.12.1769 in Groß Schoritz – verstorben am 29.02.1860 in Bonn-
@DeutscheDD
❤60👍17⚡8🫡6✍1
Die Herde

Die Tiere, die in Herden leben,
Die haben sich selber Führer gegeben.
Und immer wählte den Führer die Masse
Aus ihrer eigenen Gattung und Rasse.

Die Gemsen und Bienen, die Störche, Gazellen,
Ameisen und Schafe, die Krähen, Sardellen,
Die Elefanten und Pelikane,
Die Büffel, die Affen, die Kormorane,

Ja selbst die Esel, die Hirsche und Schwalben —
Kurzum: man findet das allenthalben.
Und auch die Menschen sind so geraten!
Nur nicht die Sozialdemokraten!


-Karl Baumgarten-
@DeutscheDD
💯62😁24🤣14❤10👍6✍4
Verschweige

Verschweige klug und weise
Mit selbstbewusster Kraft,
Wenn eine Schicksalswendung
Dir Glück und Freude schafft.

Verschweige, wenn das Leben
Dir eine Hoffnung raubt,
An deren gold’ne Früchte
Du felsenfest geglaubt. —

Schon mancher hat empfunden
Recht schweres Herzeleid,
Als Folge seiner großen
Vertrauensseligkeit! —

Ja, halte Deines Lebens
Geheimnisse in Ehr!
Denn: was Du andern mitteilst,
Ist kein Geheimnis mehr! —


-Freygang-
@DeutscheDD
👍71❤26💯12👌8
Neubruch der Zeit, und die Rosen blühen,
jeder Tag zeigt ein neues Gesicht.
Laßt voller Hoffnung die Herzen glühen:
Siegend durch Wolken doch Sonne bricht.

Aber vorauf vor dem Sonnenglanze geht
oft der Sturm und die Nacht und die Not.
Eh` man sich wiegt im fröhlichen Tanze
heißt es zu kämpfen für Freiheit und Brot.

Vieles muß fallen, vieles muß werden,
Opfer verlangt`s und ein tapferes Herz.
Soll froh der Deutsche und frei sein auf Erden,
muß es erst gehen durch Kampf und durch Schmerz.

Drum fasse Mut. In allem Getriebe
Schulter an Schulter beim Bruder gereiht.
Folge dem Einen und glaube und liebe,
dann baust du mit an der werdenden Zeit
!

-Julius Kirchhoff, geboren am 17.01.1895 in Coesfeld – verstorben am 24.01.1939 ebenda-
@DeutscheDD
❤47🫡15👍6🔥3
Lenzgesang

Seid gegrüßt, ihr grünen Hallen
Frühlingsheller Waldespracht,
Wo das dumpfe Herz aus allen
Kümmernissen froh erwacht.
Seid gegrüßt, ihr Felsenzacken,
Die ihr in die Wolken ragt
Und auf starkem Riesennacken
Säulenschlanke Buchen tragt.

Moos'ge Schluchten, Steingeklüfte
Ueberdeckt das rote Laub,
Das im Sturm die Herbsteslüfte
Hingewettert in den Staub;
Wie ein Teppich braun und golden
Lagern Schichten über Schicht,
Die mit selt'nen Blütendolden
Kaum ein Grünes unterbricht.

Was sich hoffnungsvoll entfaltet
Einst im Mai in junger Kraft,
Wird im Herbste schnell veraltet
Zu den Toten hingerafft;
Aber unerschöpflich dringen
Trieb' um Triebe wachsend nach,
Und die starken Aeste schlingen
Sich zum hochgewölbten Dach.

Menschenkind, und du willst klagen,
Wenn im Wirbelsturm der Welt
Deine Hoffnung hingeschlagen
Gleich dem Laub zu Boden fällt?
Auf! Aus ungeschwächtem Marke
Schaffe neue, tausendfalt,
Und so wache, so erstarke
Wie der sturmerprobte Wald.

Seid gegrüßt, ihr grünen Hallen
Frühlingsheller Waldespracht.
Durch die Wipfel hör' ich's wallen
Hundertstimmig laut und sacht,
Treibend, knospend, vielgeschäftig
Rauscht's daher wie Geisterflug;
Lenz, ich spüre lebenskräftig
Deinen neuen Atemzug!


-Arthur Heinrich Wilhelm Fitger, geboren am 04.10.1840 in Delmenhorst – verstorben am 28.06.1909 in Horn bei Bremen-
@DeutscheDD
❤67👌8
Es sind die Heimatlosen, die uns eine neue Sprache bringen…

-Torsten Marold-
@DeutscheDD
🔥41💯34😭23😡15👍1
KYFFHÄUSERGEIST

Der Herr aller herrlichen Heere,
Der Walter des Winds und des Walds,
Der Stifter von Eiden und Ehre,
Des Deutschen Beseelung und Salz,
Will haugkher, wo Licht aus Kristallen
Den Goldreif des Niblungs verheißt,
Des Rüstmeisters Kammer bestallen
Und segnen im Kyffhäusergeist.

Uns gehts wie dem Schmiede der Flamen,
Zur Jüterbog stark und bekannt,
Es braucht für die Tat keinen Namen,
Wer Teufel und Tod überwandt,
Doch wer sich das Heil nicht erbeten,
Eh Boten des Himmels verreist,
Der muß in die Kyffgrotte treten
Und dauern im Kyffhäusergeist.

Zum Weltbild der Ptolemäiden
Führt uns weder Kaiser noch Papst,
Die Zukunft heißt Kampf und nicht Frieden,
Heißt Freiheit, der du dich ergabst,
Verfolgt von dem römischen Banne,
Der Blut seiner Wurzel entreißt
Und taub für das Horn ist im Tanne,
Drin wiederklingt Kyffhäusergeist.

Wir haben die Unschuld verloren,
Der Vögel, der Wölfe sogar,
Wir haben ein Los uns erkoren,
Daß kindsgläubig scheint uns der Aar,
Wir schufen die mächtigsten Schwerter
Und Schilde, titanisch verschweißt,
Und bleiben doch unreif wie Werther
Und treu nur im Kyffhäusergeist.

Im Kyff ist uns alles versprochen,
Gemeinschaft, die Volk überragt,
Und wird einst die Grotte zerbrochen,
Weil all deine Herrlichkeit tagt,
So soll uns die Thinglinde scharen
Zu Tilleda, wie es da heißt,
Daß wir das Jahrtausend erfahren,
Das Reich und den Kyffhäusergeist.

Doch weh! es vergehen die Jahre,
Die Eiche ist tot längst und hohl,
Der Motor verbannt die Fanfare,
Es schmelzen uns Gletscher und Pol,
Der Weltbrand schlingt Runen und Reiser,
Der Lebensborn schimmelt verwaist,
Uns führt kein Prophet und kein Weiser,
Uns führt nur der Kyffhäusergeist.

Er sagt uns was wahr ist was Blendung,
Wenn hundert der Edelsten stehn,
So bleibt deine Stiftung uns Sendung
Wird Trug und Gemeinheit verwehn,
Solange die Fackeln uns lodern,
Solange du Atem uns leihst,
Kann deutsches Land nicht vermodern,
Wird aufstehn im Kyffhäusergeist.

Zwar wissen allein noch die Dichter,
Wer drunten im Kyffhäuser wohnt,
Es wurden die Ämter und Richter
Entweiht und gleich mehrfach entthront,
Wir stehen, umzingelt von Fremden,
Verrätern, mit Schmerbäuchen feist,
Uns schützt nicht der Ringwall von Emden,
Uns schützt nur der Kyffhäusergeist.

Wer weiß, wann die Raben verflogen,
Der blitzschwarze Baum sich belaubt,
Man hat uns unendlich belogen,
Doch rein bleibt die Seele, die glaubt,
Dein Reich kann sie nimmer verlieren,
Die Träume, von wannen du seist,
Und wir werden weitermarschieren
Und sterben im Kyffhäusergeist.

🪦 -Uwe Lammla, geboren am 21.01.1961 in Neustadt an der Orla -verstorben am 16.03.2024 ebenda-
@DeutscheDD
❤54👍7⚡5🔥4💯2
Gefangenschaft

So geht heute der Tag, wie der letzte war und wie
der nächste sein wird: dumpfer Sang des Gleichen,
immer wieder, immer wieder, immer wieder.
Dein Schritt zertritt ihn nicht. Dein Schlaf kürzt
ihn nicht. Dein Schweiß löscht ihn nicht.
Immer wieder: gestern, jetzt, morgen. Darüber wölbt
sich ein blauer Himmel und in der Nacht, die ohne
Umarmung ist, die Sterne. Aber du siehst sie nicht.
Wann, wann sahst du sie? Es ist lange her. Als sei es
nie gewesen. Nie gewesen. Immer nur dieses hier.

Das Gitter, auch wenn keines ist; die Fessel, auch
wenn sie dich nicht bindet. Dennoch lebst du Tag
für Tag. Du darfst nicht fehlen bei der Zählung.
Daß du lebst! Freude ist draußen. Musik ist draußen.
Liebe ist draußen. Dein Herz pocht. Du verrichtest
deine Arbeit. Du liegst auf der harten Pritsche.

Hier ist: Verlassenheit. Hier ist: Sehnsucht. Hier ist:
Ohnmacht. Aber du lebst. Du denkst. Du denkst.
Es wird ein Brot verlost, das du mit Furcht ißt.
Es wird dreimal Suppe gegeben, die deinen Hunger
nicht stillt. Du denkst an daheim. Du wachst in
Angstträumen Tag für Tag: immer wieder. Denn vor
den Baracken laufen die Spuren jener, die einmal
neben dir standen und nach der Vernehmung von
den Henkern ins Ungewisse gerissen wurden!


💐 -Josef Laßl, geboren am 17.03.1915 in Nöstlbach St. Marien – verstorben am 13.04.1977 in Linz-
@DeutscheDD
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Das Volk wird nicht bloß geschunden;
es ist dahin gebracht, daß es sich selbst schinden muß!


💐 -Christian Friedrich Hebbel, 18.03.1813 in Wesselburen – 13.12.1863 in Wien-
@DeutscheDD
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Nachtgruß 🌚

Vor meinem Fenster dämmert
Das trübe Mondenlicht;
auf meinem Tischlein hämmert
Die Uhr und rastet nicht.

Die stille Nacht durchschallet
Ein einsam hast'ger Gang,
Der wiederum verhallet
Die leere Straß' entlang.

Auf Traumesschwingen heben
Sich die Gedanken mir,
Und heimlich, o mein Leben,
Träum' ich mich hin zu dir!


🪦 -Franz Theodor Kugler, geboren am 18.01.1808 in Stettin – verstorben am 18.03.1858 in Berlin-
@DeutscheDD
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