BUTTERVOGEL 🦋
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Der Kanal für vergessene Worte, Gedichte und Zitate der deutschen Sprache. Zum Schutz und zur Bewahrung deutscher Kultur.
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Guter Rat (1849)

An einem Sommermorgen
da nimm den Wanderstab,
es fallen deine Sorgen
wie Nebel von dir ab.

Des Himmels heitre Bläue
lacht dir ins Herz hinein
und schließt, wie Gottes Treue,
mit seinem Dach dich ein.

Rings Blüten nur und Triebe
und Halme von Segen schwer,
dir ist, als zöge die Liebe
des Weges nebenher.

So heimisch alles klingt
als wie im Vaterhaus,
und über die Lerchen schwingt
die Seele sich hinaus.

Theodor Fontane (1819-1898)

🌱 🌱 🌱


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Wie freu`ich mich der Sommerwonne! (1872)

Wie freu`ich mich der Sommerwonne, 
Des frischen Grüns in Feld und Wald, 
Wenn`s lebt und webt im Glanz der Sonne 
Und wenn`s von allen Zweigen schallt!

Ich möchte jedes Blümchen fragen: 
Hast du nicht einen Gruß für mich? 
Ich möchte jedem Vogel sagen: 
Sing, Vöglein, sing und freue dich! 
 
Die Welt ist mein, ich fühl es wieder: 
Wer wollte sich nicht ihrer freu`n, 
Wenn er durch frohe Frühlingslieder 
Sich seine Jugend kann erneu`n? 
 
Kein Sehnen zieht mich in die Ferne, 
Kein Hoffen lohnet mich mit Schmerz; 
Da wo ich bin, da bin ich gerne, 
Denn meine Heimat ist mein Herz. 
 
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874)


🌼 🌼 🌼

Bald geht es für viele in die Sommerfrische. Die hiesigen Temperaturen sind ja bereits in bester Sommerlaune. 😉☀️

Wohin es Sie auch zieht - ob in ferne Gefilde oder einen Platz in unserer Heimat - der Buttervogel wünscht Ihnen eine wunderbare Zeit und Momente, die Ihr Herz berühren. 🫶🏻


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Ein vergessener Schatz? 📖

Das Poesiealbum hat eine lange Geschichte in Deutschland, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Das Stammbuch war besonders bei Studenten beliebt. Diese Kunstwerke wurden gefüllt mit klugen Sprüchen, kunstvollen Zeichnungen und Wappen.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Poesiealbum, wie wir es heute kennen. Besonders junge Mädchen hüteten es wie einen kleinen Schatz. Mit zarten Farben, bunten Glanzbildern und feinen Aufklebern wurden die Seiten verziert. Freundinnen, Verwandte und Lehrer hinterließen liebevolle Sprüche oder herzliche Wünsche für den Lebensweg. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war es ein treuer Begleiter, bevor Freundschaftsbücher populär wurden.

Heute sind Poesiealben wertvolle Schätze, die uns an eine Ära zurückdenken lassen, in der Worte mit viel Herz verfasst wurden.

Besitzen Sie noch ein Poesiealbum? Und was ist Ihre schönste Erinnerung daraus?

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Das Wort zum Sonntag!

„Lieber Nichts wissen, als Vieles halb wissen! Lieber ein Narr sein auf eigne Faust, als ein Weiser nach fremdem Gutdünken!“

Friedrich Nietzsche (1844 - 1900)


Zitat aus Friedrich Nietzsches "Also sprach Zarathustra" (Vierter Teil „Der Blutegel“), 1885.

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Welkes Blatt

Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.

Hermann Hesse (1877–1962)


🍃 🍃 🍃


Diese Zeilen möchte der Buttervogel einem Menschen widmen, der den Buttervogel von Beginn an mit seiner positiven Energie und seiner Herzlichkeit bereichert hat. Einem Menschen, der unsere schöne Muttersprache liebte und sie stets in Ehren hielt.

Er wird fehlen.

Der Buttervogel ist in Gedanken bei seinen Angehörigen, ganz besonders bei seiner lieben Frau.

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Auf dass die Vernunft ihre Stimme erhebt. 🙏🏻🕊

Genießen Sie das Wochenende und lassen Sie nur Freude in Ihr Herz. 🫶🏻

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Millionen Bücher zerstört – damit KI lernen kann

US-KI-Konzerne wie Anthropic kaufen derzeit Millionen europäische Bücher aus Antiquariaten, um ihre KI zu trainieren. Beauftragte Dienstleister schneiden den Buchrücken ab, digitalisieren jede Seite und entsorgen die Papierstapel anschließend.

Auch deutsche Antiquariate sind betroffen. Markus Brandis, Vorsitzender des Verbands Deutscher Antiquare, berichtet von Massenkäufen im Wert von bis zu 50.000 Euro innerhalb weniger Wochen. Die Bücher werden digitalisiert und landen im Altpapier.

Was bleibt, sind Dateien. Doch ein digitales Dokument ist kein Original. Es kann verändert oder gelöscht werden. Gedruckte Bücher bewahren Sprache, Wissen und Geschichte in ihrer ursprünglichen Form.

George Orwell warnte in 1984 davor, wie schnell Geschichte umgeschrieben werden kann. Originale Bücher sind deshalb weit mehr als Papier – sie sind unser kulturelles Gedächtnis.

Wer Bücher vernichtet, zerstört einen Teil unseres kulturellen Erbes.

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Das Wort zum Sonntag!

Als Reigen werden verschiedene Gruppentänze bezeichnet, bei denen sich mehrere Tänzer gemeinsam und gleichförmig bewegen. Sie tanzen dabei in Kreisen, Ketten, Reihen oder paarweise hintereinander. Auch die dabei angestimmten Lieder und Gesänge wurden früher als Reien oder Reihen bezeichnet.

Der Musikwissenschaftler Curt Sachs (1881–1959) verwendete den Begriff „Chorreigen“ als Oberbegriff für alle Gruppentänze und unterschied unter anderem Kreis-, Front-, Schlängel- und Platztauschreigen.

Ursprünglich war die Gesangsbegleitung ein charakteristisches Merkmal des Reigens. Der Sprachgelehrte Josua Maaler (1529–1599) beschrieb den Reigentanz als „Dänz in Ringsweis, wenn man dazu singt“.

Haben Sie schon einmal einen Reigen getanzt? Wird diese alte Tanztradition in Ihrer Region Deutschlands noch gepflegt?


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Vertraut (1909)

Wie liegt die Welt so frisch und tauig
Vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau ich
Ins frühlingsgrüne Tal hinein.

Mit allen Kreaturen bin ich
In schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
Und eben darum lieb ich sie.

Und wird auch mal der Himmel grauer;
Wer voll Vertraun die Welt besieht,
Den freut es, wenn ein Regenschauer
Mit Sturm und Blitz vorüberzieht.

Wilhelm Busch (1832-1908)


☀️ ☀️ ☀️ ☀️ ☀️

Aus Wilhelm Busch, Gedichte, Schein und Sein, 1909


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Großmütterchen 👵🏻

Großmutter darf man alles klagen,
Großmütterchen hat stets Geduld:
Was man Mama kaum wagt zu sagen,
ihr beichtet man geheimste Schuld.

Und Märchen weiß sie auszudichten,
zum Gruseln, zum Entzücken schier!
Was sind uns Lederstrumpfs Geschichten,
was Grimm, was Bechstein – neben ihr!

Staatskleidchen schenkt sie, goldne Schuhe –
sie ist gewiss entsetzlich reich:
Ganz unerschöpflich scheint die Truhe,
und fast dem Schatz im Märchen gleich.

Die blanksten Püppchen, schönsten Pferde
bringt sie und achtet kaum des Danks,
und allen Wohlgeschmack der Erde
birgt sie im Eckchen ihres Schranks.

Hat Mütterchen den Lärm verboten,
so flüchtet man in ihr Gemach;
sie sieht den kleinen Hausdespoten
die tollsten Streiche lächelnd nach.

Wollt' gar zu schwach sie euch erscheinen,
denkt: Liebe macht sie doppelt blind:
Sie liebt der Mutter gleich die Kleinen,
und liebt die Tochter noch im Kind.

Julius Lohmeyer (1835 –1903)



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Deutsch ins Grundgesetz ? ❤️

Die deutsche Sprache ist ein zentraler Bestandteil unserer kulturellen Identität, unserer Geschichte und unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Viele europäische Staaten haben ihre eigene Sprache in der Verfassung verankert. So bestimmt Österreich im Bundes-Verfassungsgesetz Deutsch als Staatssprache der Republik; Frankreich schreibt in Artikel 2 der Verfassung fest: „Die Sprache der Republik ist Französisch.“

Deutschland sollte seiner Sprache einen sicheren rechtlichen Status geben. Bereits 2018 brachte die AfD-Fraktion einen Antrag und einen Gesetzentwurf zur Aufnahme der deutschen Sprache als Landessprache in das Grundgesetz ein. Der Antrag scheiterte an einer breiten Ablehnung durch CDU/CSU, SPD, FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen (▶️Video)

Auch der Verein Deutsche Sprache fordert Artikel 22 des Grundgesetzes um folgenden Satz zu ergänzen:
„Die Sprache der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch”.


Unsere Sprache ist Ausdruck unserer Geschichte, unserer Kultur und unseres Selbstverständnisses – sollte sie deshalb nicht auch im Grundgesetz verankert werden? Wie stehen Sie dazu?


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Geduld bringt Rosen

Es ist Geduld ein rauher Strauch
Voll Dornen aller Enden,
Und wer ihm naht, der merkt es auch
An Füßen und an Händen.

Und dennoch sag‘ ich laß die Müh‘
Dich nimmermehr verdrießen,
Sei‘s auch in Thränen, spät und früh
Ihn treulich zu begießen.

Urplötzlich wird er über Nacht
Dein Mühen dir belohnen,
Wenn über all den Dornen lacht
Ein Strauß von Rosenkronen.

Karl Heinrich Wilhelm Wackernagel (1806 - 1869)


🌹 🌹 🌹

Der Buttervogel wünscht Ihnen ein erfülltes Wochenende – mit Geduld, Zuversicht und vielen wundervollen Rosenkronen.


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Das Wort zum Sonntag!

Wussten Sie, dass sich der Begriff „Kino“ erst nach und nach durchsetzte? Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Bezeichnungen wie „Lichtspielhaus“,  „Lichtspieltheater“  oder „Lichtspiele“ weit verbreitet.

Das Wort „Kino“ ist die Verkürzung von „Kinematograph“, der Bezeichnung für das frühe Aufnahme- und Vorführgerät bewegter Bilder. Einen festen Zeitpunkt für diesen Sprachwandel gibt es nicht – im Laufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verdrängte das kürzere Wort „Kino“ die älteren Bezeichnungen zunehmend aus dem Sprachgebrauch.

Vielleicht sollten wir das schöne Wort „Lichtspielhaus“ wieder öfter verwenden. Es erinnert an eine Zeit, in der ein Kinobesuch etwas Besonderes war – ein gemeinsames Erlebnis voller Staunen, Träume und großer Gefühle.

Welches Lichtspielhaus ist Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben? Und gibt es einen Film, der Sie besonders berührt oder geprägt hat? 🎬✨


Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben auf einen Filmabend, dann hat der Buttervogel einen Tipp für Sie, der zu den aktuellen Geschehnissen passt und zum Nachdenken anregt.

🎬 „WARUM ICH – Wolf D. Kroll“ von Mario Nieswandt

Der Buttervogel wünscht Ihnen einen lichtvollen Sonntag! ☀️


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Wilhelm Raabe, Halb Mär, halb mehr, 1859 (2. Auflage 1907)

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Morgenlied

Verschwunden ist die finstre Nacht,
Die Lerche schlägt, der Tag erwacht,
Die Sonne kommt mit Prangen
Am Himmel aufgegangen.

Sie scheint in Königs Prunkgemach,
Sie scheinet durch des Bettlers Dach,
Und was in Nacht verborgen war,
Das macht sie kund und offenbar.

Lob sei dem Herrn und Dank gebracht,
Der über diesem Haus gewacht,
Mit seinen heil’gen Scharen
Uns gnädig wollte bewahren.

Wohl mancher schloss die Augen schwer
Öffnet sie dem Licht nicht mehr;
Drum freue sich, wer, neu belebt,
Den frischen Blick zur Sonn’ erhebt!

Friedrich von Schiller (1759 - 1805)


☀️ ☀️ ☀️

Das „Morgenlied“ stammt aus Friedrich Schillers berühmter Bühnenbearbeitung von William Shakespeares Macbeth für das Weimarer Hoftheater im Jahr 1800 (nach dem englischen Original von 1623). Schiller ersetzte die derb-komische Prosa der Pförtnerszene durch diesen feierlichen, lyrischen Gesang und passte das Werk damit dem Sprachideal der Weimarer Klassik an.

Das Gedicht erklingt im zweiten Aufzug unmittelbar nach dem Königsmord. Mit seinen kunstvoll gestalteten Versen durchbricht es die düstere Atmosphäre des Geschehens und setzt der Gewalt die ordnende Kraft von Sprache, Licht und Natur entgegen – noch bevor sich das Schlosstor öffnet.

Der Buttervogel wünscht sich, dass sich auch in unserer Welt die dunklen Wolken bald verziehen, Vernunft und Menschlichkeit wieder mehr Raum gewinnen und die Morgensonne wieder unbeschwert lachen darf.

Genießen Sie das Wochenende! ☀️🫶🏻🍀


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Das Wort zum Sonntag!

Ursprünglich stand der Begriff „Heimat“ weniger für ein Gefühl als für ein Recht – das Recht von Geburt an, an einem Ort wohnen, bleiben und Schutz finden zu dürfen.

Die indogermanische Wurzel *„kei-“ lebt bis heute in vielen Ortsnamen mit „-heim“ weiter, etwa in Mannheim oder Kirchheim. Diese Endung bedeutete ursprünglich „Siedlung“ oder „Wohnort“.

Was bedeutet Heimat für Sie? 
Ist es Ihr Geburtsort, der Ort, an dem Sie heute leben, oder vielleicht ein bestimmtes Gefühl? Ist Heimat der Ort, an dem unsere Muttersprache gesprochen wird – oder eher der Dialekt, mit dem man aufgewachsen ist? Ist es der Ort, an dem man seine Kultur, seine Bräuche und seine Vertrautheit wiederfindet?

Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm (1877) steht an erster Stelle: „das land oder auch nur der landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat“

Der Musikkritiker Jan Brachmann formuliert es in der FAZ vom 13. Oktober 2018 so:
„Heimat ist der Ort, wo die Erinnerung sich auskennt.“

Und fühlt man Heimat noch, wenn der Schutz verloren geht und sich die eigene Kultur und Sprache verändern?

"Leider ist die Heimat
zur Fremde dir geworden."
Friedrich Schiller (Wilhelm Tell 1804)



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Mit dem Begriff „Sudler“ bezeichnet Arthur Schopenhauer schlechte und nachlässig arbeitende Schriftsteller, Journalisten und Literaten. Gemeint sind Autoren, denen es nach seiner Ansicht an geistiger Klarheit, Bildung und stilistischer Sorgfalt fehlt und die dadurch die deutsche Sprache verderben.

Das Wort hängt mit „sudeln“ zusammen, also etwas zu beschmieren oder unsauber hinzuschreiben. Ein „Sudler“ ist bei Schopenhauer daher nicht nur jemand mit wenig Talent, sondern vor allem ein Autor, der ohne geistige Klarheit und ohne sprachliche Sorgfalt produziert.

Was denken Sie: Wie hätte Schopenhauer wohl die heutigen Medien beurteilt, in denen man in "einfacher Sprache" schreibt, von „Fahrradfahrenden“ spricht oder davon, dass Sprachwissenschaftler unsere Sprache in „ens Käufens“ und „ens Einkaufskorb“ ändern möchten?

* * *
Quelle Zitat: Arthur Schopenhauer: „Über die seit einigen Jahren methodisch betriebene Verhunzung der deutschen Sprache“ (1852), postum veröffentlicht 1892 in: Nachgelassene Schriften.


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Deutschlands Beruf (1861)

Soll's denn ewig von Gewittern
Am umwölkten Himmel braun?
Soll denn stets der Boden zittern,
Drauf wir unsre Hütten baun?
Oder wollt ihr mit den Waffen
Endlich Rast und Frieden schaffen?

Daß die Welt nicht mehr, in Sorgen
Um ihr leichterschüttert Glück,
Täglich bebe vor dem Morgen,
Gebt ihr ihren Kern zurück!
Macht Europas Herz gesunden,
Und das Heil ist euch gefunden.

Einen Hort geht aufzurichten,
Einen Hort im deutschen Land!
Sucht zum Lenken und zum Schlichten
Eine schwerterprobte Hand,
Die den güldnen Apfel halte
Und des Reichs in Treuen walte.

Sein gefürstet Banner trage
Jeder Stamm, wie er's erkor,
Aber über alle rage
Stolzentfaltet eins empor,
Hoch, im Schmuck der Eichenreiser,
Wall' es vor dem deutschen Kaiser.

Wenn die heil'ge Krone wieder
Eine hohe Scheitel schmückt,
Aus dem Haupt durch alle Glieder
Stark ein ein'ger Wille zückt,
Wird im Völkerrat vor allen
Deutscher Spruch aufs neu' erschallen.

Dann nicht mehr zum Weltgesetze
Wird die Laun' am Seinestrom,
Dann vergeblich seine Netze
Wirft der Fischer aus in Rom,
Länger nicht mit seinen Horden
Schreckt uns der Koloß im Norden.

Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
Klarer Geist und scharfer Hieb,
Zügeln dann aus starker Mitte
Jeder Selbstsucht wilden Trieb,
Und es mag am deutschen Wesen
Einmal noch die Welt genesen.

Emanuel Geibel (1815–1884)


🕊 🕊 🕊

Wussten Sie, dass die obige Aussage aus diesem Gedicht stammt?

Manchmal steckt hinter einem bekannten Satz ein Gedicht, das heute kaum noch jemand kennt.

Der Buttervogel wünscht Ihnen ein sonniges und erholsames Wochenende! ☀️

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Das Wort zum Sonntag!

Die Zünfte prägten über Jahrhunderte das Handwerk im deutschsprachigen Raum. Sie regelten Ausbildung, Qualität, Arbeitsbedingungen und die gegenseitige Unterstützung ihrer Mitglieder.

Dabei ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes besonders spannend: „Zunft“ bezeichnete zunächst nicht den Handwerksverband selbst, sondern die Übereinkunft und die gemeinsamen Regeln, auf denen eine Gemeinschaft beruhte. Erst im 13. Jahrhundert wurde das Wort zur Bezeichnung der Zusammenschlüsse von Handwerkern. Viele Traditionen des Handwerks – vom Meisterbrief bis zur Walz – gehen auf diese Zeit zurück.

Kennen Sie noch alte Zunfthäuser, Zunftzeichen oder lebendige Zunfttraditionen in Ihrer Region? ⚒️

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Die Heinzelmännchen zu Köln (1836)

Wie war zu Cölln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul, man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
eh' man es gedacht,
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten
und rupften
und zupften
und hüpften und trabten
und putzten und schabten
und eh ein Faulpelz noch erwacht,
war all' sein Tagewerk bereits gemacht!

Die Zimmerleute streckten sich
hin auf die Spän‘ und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
und sah, was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
und die Säg‘ in Eil,
sie sägten und stachen
und hieben und brachen,
berappten
und kappten,
visierten wie Falken
und setzten die Balken.
Eh sich's der Zimmermann versah,
klapp, stand das ganze Haus schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
die Heinzelmännchen backten Brot,
die faulen Burschen legten sich,
die Heinzelmännchen regten sich
und ächzten daher
mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
und wogen es richtig
und hoben
und schoben
und fegten und backten
und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor,
da rückte schon das Brot, das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell‘ und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
wie die Mühl' im Wind.
Die klappten mit Beilen,
die schnitzten an Speilen,
die spülten,
die wühlten
und mengten und mischten
und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf -
wapp, hing die Wurst schon da zum Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
der Küfer, bis er niedersank,
am hohlen Fasse schlief er ein.
Die Männlein sorgten um den Wein
und schwefelten fein
alle Fässer ein.
Und rollten und hoben
mit Winden und Kloben
und schwenkten
und senkten
und gossen und panschten
und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
war schon der Wein geschönt und fein gemacht.

Einst hatt‘ ein Schneider große Pein,
der Staatsrock sollte fertig sein;
warf hin das Zeug und legte sich
hin auf das Ohr und pflegte sich.
Da schlüpften sie frisch
in den Schneidertisch;
da schnitten und rückten
und nähten und stickten
und fassten
und passten
und strichen und guckten
und zupften und ruckten
und eh mein Schneiderlein erwacht,
war Bürgermeisters Rock bereits gemacht.

Neugierig war des Schneiders Weib,
und macht sich diesen Zeitvertreib:
streut Erbsen hin die andre Nacht.
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
eins fährt nun aus,
schlägt hin im Haus,
die gleiten von Stufen,
die plumpen in Kufen,
die fallen
mit Schallen,
die lärmen und schreien,
und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
mit Licht: husch, husch, husch, husch - verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort,
und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruh‘n,
man muß nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
selbst fleißig sein,
und kratzen und schaben
und rennen und traben
und schniegeln
und biegeln
und klopfen und hacken
und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär'!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!


August Kopisch (1799 -1853)

🧹 🧹 🧹

Die Kölner Volkssage der Heinzelmännchen wurde erstmals 1826 vom Kölner Schriftsteller Ernst Weyden schriftlich überliefert. Bekannt wurde sie jedoch vor allem durch die Ballade von August Kopisch (1799–1853), die 1836 entstand – obwohl der Historienmaler und Schriftsteller Köln nie selbst besuchte.

Zum Gedenken an Kopisch wurde 1899 der Heinzelmännchenbrunnen gegenüber dem ältesten Kölner Brauhaus, dem Cölner Hofbräu Früh, errichtet. Er stellt Szenen aus der Ballade künstlerisch dar.

Wie schön wäre es doch, ab und zu ein fleißiges Heinzelmännchen zu haben! Ist jemand aus Köln unter den Lesern, der dem Buttervogel eines seiner Heinzelmännchen schicken kann? 😉


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