Deutsche Dichter und Denker
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Der Denker sagt das Sein,
der Dichter das Heilige!

Bilder, Gedichte und Sprüche in diesem Kanal verstehen sich als Nachahmung ohne Beurteilung.
Sie sind mit nötigem Ernst oder Spott zu genießen!

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Im Selbsterhaltungskampf gibt es nur eine Tugend, die der unbegrenzten Treue zum eigenen Volke!

-Peter Kettenfeier Rosegger, geboren am 31.07.1843 in Alpl – verstorben am 26.06.1918 in Krieglach-
@DeutscheDD
❤67🫡20👏6👍4🔥2👌1
Neuschnee

Flockenflaum zum ersten Mal zu prägen
mit des Schuhs geheimnisvoller Spur,
einen ersten schmalen Pfad zu schrägen
durch des Schneefelds jungfräuliche Flur -

Kindisch ist und köstlich solch Beginnen,
wenn der Wald dir um die Stirne rauscht
oder mit bestrahlten Gletscherzinnen
deine Seele leuchtende Grüße tauscht!


-Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern, geboren am 06. 05.1871 in München – verstorben am 31.03.1914 in Untermais-
@DeutscheDD
❤70🥰13👏5⚡1😍1
O lerne fühlen, welches Stamms du bist!
Wirf nicht für eiteln Glanz und Flitterschein
Die echte Perle deines Wertes hin!


-Johann Christoph Friedrich von Schiller, geboren am 10.11.1759 in Marbach am Neckar - verstorben am 09.05.1805 in Weimar-
@DeutscheDD
❤125👌14👏8✍2🔥2😍2
Die rote Erde

Herrn Kaiser Karl zu Aachen
Kam's über die Augen schwer:
„Ich fühl's, nicht wird mich wärmen
Die Frühlingssonne mehr.

Noch einmal muß ich umschaun,
Wie's steht in meinem Reich:
O wär' ich bei Awaren
Und Arabern zugleich!

Zugleich am gelben Tiber,
Zugleich am grünen Rhein:
Zu groß ist ach! das Erbe,
Der Erbe, weh! zu klein. –

Die Nächsten sind die Sachsen:
Bis dorthin reicht's wohl noch;
Sie kämpften dreißig Jahre,
Und ich bezwang sie doch!“ –

Er zieht mit Graf und Bischof
Nochmal durch Sachsenland:
Der Männer sieht man wenig: –
Tot sind sie, landverbannt.

Auf öder, brauner Heide,
Vom Eichbaum überragt,
Liegt ein Gehöft, den Dachfirst
Vom Roßkopf überschragt.

Welk über'n tiefen Ziehbrunn
Nickt der Holunder schwer:
Und frische Hügelgräber, –
Sehr viele! – rings umher. –

Ein Weib tritt auf die Schwelle:
Es zerren an ihrem Rock
Die Knaben mit dem Trutzblick,
Die Mädchen im Flachsgelock.

Sie gaffen auf die Fremden,
Auf die bunte Reiterschar:
Es beugt sich aus der Sänfte
Ein Mann in weißem Haar.

Er streicht den Kopf dem Jüngsten:
Der greift nach der Spange licht:
„Wer ist's?“ forscht scheu die Mutter.
„Herr Karl! – Kennst du ihn nicht?“

Laut auf kreischt die Entsetzte
Und reißt die Kinder fort:
»Herr Karl! Der Tod!« – Sie verschwinden
Im nahen Buschwald dort. –

Der Kaiser nächtet im Kloster.
Leer ist's um den Altar:
Kein Laie, – nur die Mönche. –
„Was scheint dort fern so klar?

Was leuchtet durch das Fenster?“
„O Herr – 's ist nicht geheuer:
Die Sachsen sind's im Walde
Bei Wodans Opferfeuer.“ –

Am andern Morgen rheinwärts
Der Kaiser kehrt die Fahrt;
Er schweigt. – Er betet manchmal;
Er streicht den weißen Bart.

Das Roß führt ihm ein Sachse,
Der alle Steige kennt.
Das Erdreich steht zutage,
Wo der Pfad die Hügel trennt.

Warm dampft es aus den Schollen, –
Karl beugt vom Sattel sich:
„Rot ist hier rings die Erde,
Seit wann? Woher das? – Sprich!“

Da hob der graue Führer
Zu ihm den Blick empor:
„Grün war der Wiesenanger,
Die Heide braun zuvor;

Zweihunderttausend Sachsen,
Die starben blut'gen Tod: –
Davon ist in Westfalen
Die Erde worden rot.“

Da schüttelt Frost den Kaiser:
„So tief – die Erde rot?
Herr Christus, lösche die Farbe:
Ich tat's auf dein Gebot.“

Starr hat er in die Wolken, –
Auf den Boden starr gesehn:
Der Boden blieb derselbe: –
Kein Wunder ist geschehn. –

Schwer krank kam er nach Aachen
In seinen goldnen Saal:
Er raunte mit sich selber,
Hauptschüttelnd, manchesmal.

Er fragte: „Ist's noch rot dort?“
Als er im Sterben lag. –
Rot blieb Westfalens Erde
Bis auf den heut'gen Tag!


-Ludwig Sophus Felix Dahn, geboren am 09.02.1834 in Hamburg – verstorben am 03.01.1912 in Breslau-
@DeutscheDD
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Bei uns gibt es nicht Edelinge,
die was gelten durch ihr Blut,
Jedes Rang ist jedes Klinge,
Und sein Wappen ist der Mut.

Wer nur immer kühn sein Schwert zog,
hält den Schild von Schande rein,
wer noch gestern unterm Heer zog,
Herzog kann er morgen sein!
🔥

💐 -Rainer Maria Rilke, geboren am 04.12.1875 in Prag – verstorben am 29.12.1926 Montreux-
@DeutscheDD
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Ehre der Arbeit – des Kopfes, der Hände,
Wo sie mit Eifer sich tummelt und regt!
Wo ist das Mißgeschick, das nicht verschwände,
Wird sich mit freudigem Herzen geregt?

Ehret die Arbeit! Sie würzet das Leben,
Kräftigt den Körper und adelt den Geist;
Seht, wie die Saaten sich goldig erheben,
Und wie der Himmel den Regen verheißt!


🪦 -Moritz Kasimir Georg Ludwig Friedrich Karl Fürst zu Bentheim-Tecklenburg, geboren am 04.03.1795 in Rheda – verstorben am 05.12.1872 ebenda-
@DeutscheDD
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Wir haben erkannt, daß ungeahnte Kräfte in unserem Volke schlummerten, die nur des Anstoßes bedurften, um mit schier übermenschlicher Wucht hervorzubrechen. Ein Wunder ist´s vor unsern Augen, das erst spätere Jahrhunderte in ihrer überwältigenden Größe zu erfassen vermögen.
Jeder Deutsche empfindet es in seinem tiefsten Innern:
„Das deutsche Volk ist hier ein Werkzeug göttlichen Waltens!“


-Richard Lange-
@DeutscheDD
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🪦-Sepp Kerschbaumer, geboren am 09.11.1913 in Frangart - verstorben am 07.12.1964 in Verona in Haft-
@DeutscheDD
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Die Musik wurde nicht nur als Pflanzstätte nationaler Gesinnung, sondern auch als reine Kunst für sich eine Macht im deutschen Volksleben, die bewies, daß dieses unser Volk von Grund aus musikalisch begabt ist, und musikalisch empfindet!

-Theobald Ziegler, geboren am 09.02.1846 in Göppingen – verstorben am 01.09.1918 in Sierentz im Elsass-
@DeutscheDD
❤80👍20⚡4
Und abermals wirst du geboren werden auf andern Sternen, deiner selbst nicht kundig, und wirst auf die Wege gehen allen Lebens, in Schmerzen bald und manches Mal in Lächeln.

Doch steigt aus Dämmerungen einer Nacht gleichwie aus Schächten, die verschüttet sind, ein Bildnis auf, ein Schatten und ein Ruf, so wisse du:

Der Bruder ruft nach dir, der abermals dem Tode sich entrang gleich dir und abermals das Leben wandelt auf andern Sternen fern und trauervoll!


🪦 -Walter Calé, geboren am 08.12.1881 in Berlin – Freitod am 03.11.1904 in Freiburg im Breisgau-
@DeutscheDD
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Der Winter ist eine ehrliche Haut,
Ein alter Poldrian;
Wie zornig er mir ins Auge schaut,
Blick ich ihn wiederum an!

Sein Blut ist kühl und starr wie Eis,
Doch nie seine Treue wankt;
Wie oft hab ich mich nächtlicherweis
Mit ihm herumgezankt!

Da rüttelt er mir am Gartentor
Und stampft auf den Beeten herum,
Er schimpft mich einen sanguinischen Tor,
Leichtgläubig und herzlich dumm!

Viel Hoffnungen zieh ich in Scherben auf
Am kalten Sternenschein,
Da ist er besonders versessen drauf
Und stürmt auf sie herein.

Ich balge mich immer, so gut ich kann,
Um jedes grüne Reis;
Er aber entrupft sie, der harte Mann,
Den Scherben büschelweis.

Doch die mir der Alte stehenläßt,
Die sind erprobt und gefeit!
Die sind gelenzet und frühlingsfest
Und der Erfüllung geweiht!


-Gottfried Keller, geboren am 19.07.1819 in Zürich – verstorben am 15.07.1890 ebenda-
@DeutscheDD
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Wer stets mit der Natur gelebt,
Von ihr beglückt, mit ihr verwebt,
Das erste Grünen, erste Sprossen
Als tiefersehntes Glück genossen;
Am ersten Glöckchen sich entzückte,
Das grüßend aus der Erde blickte,
Dann an den Veilchen, wilden Rosen,
Bis zu den letzten Herbstzeitlosen: –
Ist, wenn er Achtzig hat vollbracht,
Zum Leben achtzig Mal erwacht!


-Alois Wohlmuth, geboren 1880 - verstorben 1919-
@DeutscheDD
❤124👏12💯7
Erdball, Boden,
In dem ich wurzeln muß, der mich geboren -
Ein ausgeriss'ner, ausgedorrter Stamm
Bin ich, wenn ich in deinem Mark den Fuß
Nicht fassen, Kraft und Freude nicht draus ziehen kann.
Wenn ich entwurzelt mich in jenen Abgrund
Der bläulich über unsern Scheiteln dämmert,
Voll der bigotten Hoffnung stürzen soll,
Daß dort in wüster Unermeßlichkeit
Und Ferne aufzufinden sei, was ich
Im nahen engen Raum nicht finde.
Nah!
Was ist mir näher als das Vaterland?
Die Heimat nur kann uns beseligen.
Verräterei, die Fremde vorzuzieh'n.
Nicht Faust wär ich, wenn ich kein Deutscher wäre."


💐 -Dietrich Christian Grabbe , geboren am 11.12.1801 in Detmold – verstorben am 12.09.1836 ebenda-
@DeutscheDD
❤70👍11👌5
In der ganzen Lebensgeschichte eines Volkes ist sein heiligster Augenblick, wo es aus seiner Ohnmacht erwacht.
Ein Volk, das mit Lust und Liebe die Ewigkeit seines Volkstums auffaßt, kann zu allen Zeiten sein Wiedergeburtsfest und seine Auferstehung feiern!


-Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn, geboren am 11.08.1778 in Lanz – verstorben am 15.10.1852 in Freyburg-
@DeutscheDD
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Der Becher
auf dem Straßburger Münster gedichtet

Von einem Wunderbecher
Hab' ich mit Angst geträumt,
Woraus dem durst'gen Zecher
Die höchste Fülle schäumt.
Draus sollt' ich alles trinken,
Was Erd' und Himmel bot,
Doch mußt' ich dann versinken
In einen ew'gen Tod.

Mit Wonne und mit Grausen
Hielt ich ihn in der Hand,
Ein wundersames Brausen
In seinem Kelch entstand;
Es flog an mir vorüber
Die Welt in Nacht und Glanz,
Wie regellos im Fieber
Verworr'ner Bilder Tanz.

Und als ich länger blickte,
Bis auf den Grund hinein,
Wie Blitzesflamme zückte
Mir's da durch Mark und Bein,
Und, gänzlich drin versunken,
Ward mir zuletzt zu Sinn,
Als hätt' ich schon getrunken
Und schwände nun dahin.

🪦-Christian Friedrich Hebbel, geboren am 18.03.1813 in Wesselburen - verstorben am 13.12.1863 in Wien-
@DeutscheDD
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Das Heilige, das Reine, das Rührende an einer Frau ist, daß in ihrem Leibe die Unsterblichkeit schlummert.
Denke jede daran, daß sie die Natur als Ahne eines ganzen Volkes geträumt hat!
❤️

-Carl Ludwig Schleich, geboren am 19.07.1859 in Stettin – verstorben am 07.03.1922 in Saarow-
@DeutscheDD
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