Pommernlied
Wenn in stiller Stunde Träume mich umwehn
bringen frohe Kunde Geister ungesehn
reden von dem Lande meiner Heimat mir
hellem Meeresstrande, düsterm Waldrevier.
Weiße Segel fliegen auf der blauen See
weiße Möwen wiegen sich in blauer Höh´
blaue Wälder krönen weißer Dünen Sand
Pommerland, mein Sehnen ist dir zugewandt!
Aus der Ferne wendet sich zu dir mein Sinn
aus der Ferne sendet trauten Gruß er hin
traget, laue Winde, meinen Gruß und Sang
wehet leis und linde treuer Liebe Klang!
Bist ja doch das eine auf der ganzen Welt
bist ja mein, ich deine, treu dir zugesellt
kannst ja doch von allen, die ich je gesehn
mir allein gefallen, Pommerland, so schön!
Jetzt bin ich im Wandern, bin bald hier, bald dort
doch aus allen andern treibt´s mich immer fort
Bis in dir ich wieder finde meine Ruh
send ich meine Lieder dir, o Heimat, zu!
🪦 -Gustav Adolf Reinhard Pompe, geboren am 12.01.1831 in Stettin – verstorben am 23.12.1889 in Demmin-
@DeutscheDD
Wenn in stiller Stunde Träume mich umwehn
bringen frohe Kunde Geister ungesehn
reden von dem Lande meiner Heimat mir
hellem Meeresstrande, düsterm Waldrevier.
Weiße Segel fliegen auf der blauen See
weiße Möwen wiegen sich in blauer Höh´
blaue Wälder krönen weißer Dünen Sand
Pommerland, mein Sehnen ist dir zugewandt!
Aus der Ferne wendet sich zu dir mein Sinn
aus der Ferne sendet trauten Gruß er hin
traget, laue Winde, meinen Gruß und Sang
wehet leis und linde treuer Liebe Klang!
Bist ja doch das eine auf der ganzen Welt
bist ja mein, ich deine, treu dir zugesellt
kannst ja doch von allen, die ich je gesehn
mir allein gefallen, Pommerland, so schön!
Jetzt bin ich im Wandern, bin bald hier, bald dort
doch aus allen andern treibt´s mich immer fort
Bis in dir ich wieder finde meine Ruh
send ich meine Lieder dir, o Heimat, zu!
🪦 -Gustav Adolf Reinhard Pompe, geboren am 12.01.1831 in Stettin – verstorben am 23.12.1889 in Demmin-
@DeutscheDD
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Weihnachtstraum 🌲 🕯 ❄️
Wieder blüht im Glanz der Kerzen
märchenschön der grüne Baum,
wieder fügt dem tiefsten Herzen
Sich der alte Weihnachtstraum.
Wieder geht des Sinnes eilen
in der Jugend Reich zurück,
um verharrend zu verweilen
vor verwehter Stunden Glück.
Wieder hebt aus Duft und Singen
Sich der Zauber einer Frist,
der, wenn Jahre auch vergingen,
immer neu lebendig ist!
-Erich Limpach, 27.06.1899 in Charlottenburg - 10.12.1965 in Coburg-
@DeutscheDD
Wieder blüht im Glanz der Kerzen
märchenschön der grüne Baum,
wieder fügt dem tiefsten Herzen
Sich der alte Weihnachtstraum.
Wieder geht des Sinnes eilen
in der Jugend Reich zurück,
um verharrend zu verweilen
vor verwehter Stunden Glück.
Wieder hebt aus Duft und Singen
Sich der Zauber einer Frist,
der, wenn Jahre auch vergingen,
immer neu lebendig ist!
-Erich Limpach, 27.06.1899 in Charlottenburg - 10.12.1965 in Coburg-
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Die rettende Suppe Heiligabend 1945
Wir saßen mit etwa acht Mann um den bullernden Kanonenofen in der Revierbaracke.
Die anderen lagen auf ihren Strohpritschen.
Sie waren zum Teil zu schwach, um aufzustehen.
Seit Anfang November vegetierte ich dahin.
Im Mai waren wir hierher transportiert worden in Güterwagen, in denen noch zentimeterdick der Kohlenstaub lag.
Ich war in Deutschland am Main durch amerikanische Truppen in Gefangenschaft geraten.
Diese hatten uns durch mehrere Hungerlager transportiert, nach Südfrankreich gebracht und uns dort an meinem 18. Geburtstag an die Franzosen übergeben.
Obwohl wir jetzt etwa 200 Kilometer südlich von Bordeaux waren, war es draußen empfindlich kalt.
Ausgemergelt, wie wir waren, setzte uns die Kälte besonders zu.
Ich war lange von meinen Kameraden getrennt und war durch mehrere Arbeitslager geschleppt worden.
Wir mussten Bäume fällen und zersägen.
Das Schlimme war, dass die Wälder absichtlich in Brand gesteckt worden waren.
Der Boden war bedeckt mit schwarzer Asche und bei jedem Axthieb wurde sie wieder aufgewirbelt.
Durch Hungerruhr, die ungewohnt schwere Arbeit und völlig ungenügende Ernährung waren alle total abgemagert und entkräftet.
Da bekam ich Fieber und wurde mit ein paar anderen Kameraden in das regionale Hauptlager Sore gebracht.
Dort wollte ich aber auf keinen Fall bleiben, denn ich hatte hier schon früher schlechte Erfahrungen gemacht.
Der deutsche, noch relativ junge Lagerarzt erschien und stellte mich auf eine Waage.
Ich sah nur noch, wie er die Stirn runzelte, dann wurde ich bewusstlos und fiel um.
Als ich aufwachte, lag ich im Revier auf einer Pritsche.
Ich hatte eine doppelseitige Lungenentzündung und permanent hohes Fieber.
Vieles habe ich in der Folgezeit deshalb nicht richtig wahrgenommen.
Ich habe auch einmal im Fieberwahn einen „Fluchtversuch“ gemacht und wäre dabei beinahe erschossen worden.
Aber das hat man mir erst später alles erzählt.
Ich weiß nur, dass sich der deutsche Lagerarzt sehr um mich gekümmert hatte, aber er konnte keine Medikamente herbeizaubern.
Nach der Krankheit wog ich noch 39 Kilo.
In den vergangenen Monaten waren jede Woche mehrere Kameraden verhungert.
Aber dann hatte ich Anfang Dezember Glück!
Neben mir lag für einige Tage der deutsche Koch der französischen Unteroffiziersküche.
Wir bekamen jeden Monat zwei kleine Päckchen Tabak, die ich natürlich gegen Lebensmittel eintauschte.
Da er die Verpflegung aus der Lagerküche nicht benötigte, aber gerne rauchte, hatte er seine Abendsuppe gegen ein Päckchen Tabak eingetauscht.
Dieser Kamerad war aber auf ein Arbeitskommando versetzt worden, und da bot er mir, ich hatte wohl sein Mitleid erregt, den gleichen Tausch an.
Meine Freude war unbeschreiblich!
Nun saßen wir hier, so gut wie niemand hatte bis jetzt irgendeine Nachricht von zu Hause erhalten, und machten uns so unsere Gedanken.
Das wichtigste Thema war natürlich der Fresspott!
Es hatte zu Weihnachten für jeden eine Flasche Leichtbier gegeben, die ich aber sofort gegen eine Scheibe Brot eingetauscht hatte.
Nun ging langsam unser Holzvorrat zu Ende, als die Tür aufging und eine Gruppe von Kameraden aus den anderen Baracken erschien und Holz, das sie in den gerodeten Wäldern für uns sammeln mussten, hereinbrachten.
Das war die erste Weihnachtsüberraschung.
Kurz danach kam für mich persönlich die zweite.
Der bereits erwähnte Koch erschien, kam direkt zu mir und fragte mich, ob ich auch das zweite monatliche Päckchen Tabak für die täglich Mittagssuppe tauschen wollte, denn sein anderer Tauschpartner war auch nicht mehr da.
Das war für mich mehr als eine Bescherung, denn es bedeutete meine Rettung!
-Günter Kahlmann-
@DeutscheDD
Wir saßen mit etwa acht Mann um den bullernden Kanonenofen in der Revierbaracke.
Die anderen lagen auf ihren Strohpritschen.
Sie waren zum Teil zu schwach, um aufzustehen.
Seit Anfang November vegetierte ich dahin.
Im Mai waren wir hierher transportiert worden in Güterwagen, in denen noch zentimeterdick der Kohlenstaub lag.
Ich war in Deutschland am Main durch amerikanische Truppen in Gefangenschaft geraten.
Diese hatten uns durch mehrere Hungerlager transportiert, nach Südfrankreich gebracht und uns dort an meinem 18. Geburtstag an die Franzosen übergeben.
Obwohl wir jetzt etwa 200 Kilometer südlich von Bordeaux waren, war es draußen empfindlich kalt.
Ausgemergelt, wie wir waren, setzte uns die Kälte besonders zu.
Ich war lange von meinen Kameraden getrennt und war durch mehrere Arbeitslager geschleppt worden.
Wir mussten Bäume fällen und zersägen.
Das Schlimme war, dass die Wälder absichtlich in Brand gesteckt worden waren.
Der Boden war bedeckt mit schwarzer Asche und bei jedem Axthieb wurde sie wieder aufgewirbelt.
Durch Hungerruhr, die ungewohnt schwere Arbeit und völlig ungenügende Ernährung waren alle total abgemagert und entkräftet.
Da bekam ich Fieber und wurde mit ein paar anderen Kameraden in das regionale Hauptlager Sore gebracht.
Dort wollte ich aber auf keinen Fall bleiben, denn ich hatte hier schon früher schlechte Erfahrungen gemacht.
Der deutsche, noch relativ junge Lagerarzt erschien und stellte mich auf eine Waage.
Ich sah nur noch, wie er die Stirn runzelte, dann wurde ich bewusstlos und fiel um.
Als ich aufwachte, lag ich im Revier auf einer Pritsche.
Ich hatte eine doppelseitige Lungenentzündung und permanent hohes Fieber.
Vieles habe ich in der Folgezeit deshalb nicht richtig wahrgenommen.
Ich habe auch einmal im Fieberwahn einen „Fluchtversuch“ gemacht und wäre dabei beinahe erschossen worden.
Aber das hat man mir erst später alles erzählt.
Ich weiß nur, dass sich der deutsche Lagerarzt sehr um mich gekümmert hatte, aber er konnte keine Medikamente herbeizaubern.
Nach der Krankheit wog ich noch 39 Kilo.
In den vergangenen Monaten waren jede Woche mehrere Kameraden verhungert.
Aber dann hatte ich Anfang Dezember Glück!
Neben mir lag für einige Tage der deutsche Koch der französischen Unteroffiziersküche.
Wir bekamen jeden Monat zwei kleine Päckchen Tabak, die ich natürlich gegen Lebensmittel eintauschte.
Da er die Verpflegung aus der Lagerküche nicht benötigte, aber gerne rauchte, hatte er seine Abendsuppe gegen ein Päckchen Tabak eingetauscht.
Dieser Kamerad war aber auf ein Arbeitskommando versetzt worden, und da bot er mir, ich hatte wohl sein Mitleid erregt, den gleichen Tausch an.
Meine Freude war unbeschreiblich!
Nun saßen wir hier, so gut wie niemand hatte bis jetzt irgendeine Nachricht von zu Hause erhalten, und machten uns so unsere Gedanken.
Das wichtigste Thema war natürlich der Fresspott!
Es hatte zu Weihnachten für jeden eine Flasche Leichtbier gegeben, die ich aber sofort gegen eine Scheibe Brot eingetauscht hatte.
Nun ging langsam unser Holzvorrat zu Ende, als die Tür aufging und eine Gruppe von Kameraden aus den anderen Baracken erschien und Holz, das sie in den gerodeten Wäldern für uns sammeln mussten, hereinbrachten.
Das war die erste Weihnachtsüberraschung.
Kurz danach kam für mich persönlich die zweite.
Der bereits erwähnte Koch erschien, kam direkt zu mir und fragte mich, ob ich auch das zweite monatliche Päckchen Tabak für die täglich Mittagssuppe tauschen wollte, denn sein anderer Tauschpartner war auch nicht mehr da.
Das war für mich mehr als eine Bescherung, denn es bedeutete meine Rettung!
-Günter Kahlmann-
@DeutscheDD
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J u l n a c h t
Nun singet und seid froh - beim Scheine lichterloh
Der Kerzen, die da glüh'n - aus dunklem Tannengrün
Wenn in Winters Not - strahlt des Lichtes Bot'.
Der Morgen, er ist nah - drum klingt bald hier und da
Von neuen Frühlings Wonn' - der Jubel auf zur Sonn'
Unter Schnee und Eis - regt sich Hoffnung leis'.
Nun, Seele, ring dich frei - bald blüht dir neuer Mai
Davon wie holder Traum - dir künd' der Lichterbaum
Frost und Sturmeswehn - weicht bald Auferstehn!
Der ew'gen Lichtwelt zu - erheb' dein Herz auch du,
Schaust Balders Sonn' du so - dann singe und sei froh
Julnacht heil'ger Ruf - groß Erwachen schuf.
Wir singen und sind froh - beim Scheine lichterloh
Der Kerzen, die da glüh'n - aus dunklem Tannengrün
Wenn in Winters Not - strahlt des Lichtes Bot`!
-Hildulf Rudolf Flurschütz, geboren am 08.11.1878 in Hamburg - gestorben am 22.03.1948 in Leipzig-
@DeutscheDD
Nun singet und seid froh - beim Scheine lichterloh
Der Kerzen, die da glüh'n - aus dunklem Tannengrün
Wenn in Winters Not - strahlt des Lichtes Bot'.
Der Morgen, er ist nah - drum klingt bald hier und da
Von neuen Frühlings Wonn' - der Jubel auf zur Sonn'
Unter Schnee und Eis - regt sich Hoffnung leis'.
Nun, Seele, ring dich frei - bald blüht dir neuer Mai
Davon wie holder Traum - dir künd' der Lichterbaum
Frost und Sturmeswehn - weicht bald Auferstehn!
Der ew'gen Lichtwelt zu - erheb' dein Herz auch du,
Schaust Balders Sonn' du so - dann singe und sei froh
Julnacht heil'ger Ruf - groß Erwachen schuf.
Wir singen und sind froh - beim Scheine lichterloh
Der Kerzen, die da glüh'n - aus dunklem Tannengrün
Wenn in Winters Not - strahlt des Lichtes Bot`!
-Hildulf Rudolf Flurschütz, geboren am 08.11.1878 in Hamburg - gestorben am 22.03.1948 in Leipzig-
@DeutscheDD
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Sterne hängen in den Birkenzweigen,
die in heller, schimmerndweißer Pracht
sich zur stillen Mutter Erde neigen
wunderbar, in weiter, klarer Nacht.
Tiefer Schnee glänzt licht auf allen Wegen
und die Spur der Rehe leuchtet fein
und ein reiner, gütig milder Segen
schließt die Welt und alles Leben ein.
Rauhreif glitzert leis im Mondglanz nieder,
wenn ein Hauch vom hohen Himmel sinkt,
und es klingen traute, liebe alte Lieder,
daß es weit durch Wind und Wälder klingt.
Sterne hängen in den Birkenzweigen
still in schimmerndheller großer Pracht,
wenn sich alle Herzen staunend neigen
in der wunderbaren Weihenacht!🎄
-Ursel Peter, geboren am 08.08.1923 in Weigelsdorf – gestorben am 31.01.1970 in Linz-
@DeutscheDD
die in heller, schimmerndweißer Pracht
sich zur stillen Mutter Erde neigen
wunderbar, in weiter, klarer Nacht.
Tiefer Schnee glänzt licht auf allen Wegen
und die Spur der Rehe leuchtet fein
und ein reiner, gütig milder Segen
schließt die Welt und alles Leben ein.
Rauhreif glitzert leis im Mondglanz nieder,
wenn ein Hauch vom hohen Himmel sinkt,
und es klingen traute, liebe alte Lieder,
daß es weit durch Wind und Wälder klingt.
Sterne hängen in den Birkenzweigen
still in schimmerndheller großer Pracht,
wenn sich alle Herzen staunend neigen
in der wunderbaren Weihenacht!
-Ursel Peter, geboren am 08.08.1923 in Weigelsdorf – gestorben am 31.01.1970 in Linz-
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Weihnachten 1945
Anfang Juli 1945 war ich, Jahrgang 1929, aus dem für Deutsche eingerichteten und bald berüchtigten Gefängnis in der vormaligen Post in Nesselsdorf in die Walachischen Berge verbracht worden.
Unweit befindet sich heute der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingerichtete Soldatenfriedhof von Walachisch Meseritz.
Ich sollte auf einem Bauernhof Zwangsarbeit leisten.
Der Bauer des Hofes hatte im Krieg Partisanen beherbergt, war aber von Dorfbewohnern verraten worden.
In dieser Gegend lebten nur Tschechen!
Auf der Flucht vor der deutschen Polizei wurde er dann erschossen.
Seine Frau kam als Mitwisserin ins Gefängnis.
Diese Ausgangsposition war zweifellos für ein deutsches Mädchen 1945 denkbar schlecht.
Meine Aufgabe war unter anderem, nach dem frühen Melken der fünf Kühe und einer Ziege den Stall auszumisten, den Mist abzufahren und mit den Tieren und zwei Schafen auf die Weide gehen.
Mit dabei waren immer die beiden Mischlingshunde, die mir sehr zugetan waren.
Wie kalt waren doch diese frühen Morgenstunden in meiner dürftigen Kleidung,
barfuß, später in löchrigen Soldatenstiefeln, die ich auf dem Dachboden gefunden hatte.
Sie boten zum Glück genügend Platz, um sie mit Heu auszufüttern.
Eine freundliche Tschechin hatte mir ein Kopftuch geschenkt, weil sie meinen geschorenen Kopf nicht mehr ansehen wollte.
Weidezäune gab es nicht, man musste beim Weiden immer aufpassen, dass die Tiere nicht davon liefen.
Aber anfangs waren alle mit Fressen beschäftigt, und ich versuchte mich im Gras etwas auszuruhen. Da dauerte es nicht lange und die beiden Hunde kamen und kuschelten sich vorne an mich und bald kam – hätte ich es nicht erlebt, ich würde es nicht glauben – die Ziege, und rums, legte sie sich genau an meinen Rücken.
Hatte sie etwa gefühlt, wie kalt es mir war?
Die Monate vergingen und Weihnachten kam heran.
Ich konnte nicht mehr bei starkem Frost auf dem Dachboden auf dem Strohsack schlafen, aber wo sonst?
Im einzigen Zimmer schlief meine „Herrin“ mit ihren zwei Kindern.
In all den Monaten meiner Anwesenheit durfte ich diesen Raum nicht betreten.
Dann war da noch der Wirtshaussaal, denn beim Hof befand sich eine Gastwirtschaft, aber der war eisig kalt und zugig und lohnte sich nicht zu heizen für die paar Männer, die abends auf ein Bier kamen. Also auf dem Sofa in der Küche.
Na toll, welch ein Fortschritt! – könnte man denken.
Nur, während ich darauf schlafen sollte, saßen vorne dran und um den ganzen Tisch herum, der vor dem Sofa stand, die Männer, einige davon ehemalige Partisanen, bei Bier und Schnaps, die unter solchen Umständen die Finger nicht bei sich halten konnten.
Und so war es auch an Weihnachten.
Das Bier, der Schnaps flossen reichlicher als sonst und die Zudringlichkeiten waren entsprechend. Verzweifelt nahm ich meine Decke und schlich nach draußen, aber wohin?
Der Schnee lag hoch und es war bitterkalt.
Da hörte ich aus dem Stall ein leises Muhen – und ich wusste wohin.
Vorsichtig, daß mich keiner sah, öffnete ich die Stalltür und schlüpfte hinein.
Malina, die Leitkuh, begrüßte mich mit einem freundlichen Muhen, die anderen stimmten
bedächtig ein und die Schafe blökten kurz erstaunt.
Ich nahm im Dunkeln ein Bündel Stroh und legte es bei der Ziege in die Futterkrippe, legte
mich darauf und deckte mich zu.
Da dauerte es nicht lange und die beiden Hunde sprangen zu mir hoch und kuschelten sich an mich. Die Ziege beschnupperte sanft mein Gesicht und leckte meine salzigen Tränen.
Bald aber schliefen wir alle tief und fest in dieser Nacht 1945.
-Gilda Bauer-
@DeutscheDD
Anfang Juli 1945 war ich, Jahrgang 1929, aus dem für Deutsche eingerichteten und bald berüchtigten Gefängnis in der vormaligen Post in Nesselsdorf in die Walachischen Berge verbracht worden.
Unweit befindet sich heute der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingerichtete Soldatenfriedhof von Walachisch Meseritz.
Ich sollte auf einem Bauernhof Zwangsarbeit leisten.
Der Bauer des Hofes hatte im Krieg Partisanen beherbergt, war aber von Dorfbewohnern verraten worden.
In dieser Gegend lebten nur Tschechen!
Auf der Flucht vor der deutschen Polizei wurde er dann erschossen.
Seine Frau kam als Mitwisserin ins Gefängnis.
Diese Ausgangsposition war zweifellos für ein deutsches Mädchen 1945 denkbar schlecht.
Meine Aufgabe war unter anderem, nach dem frühen Melken der fünf Kühe und einer Ziege den Stall auszumisten, den Mist abzufahren und mit den Tieren und zwei Schafen auf die Weide gehen.
Mit dabei waren immer die beiden Mischlingshunde, die mir sehr zugetan waren.
Wie kalt waren doch diese frühen Morgenstunden in meiner dürftigen Kleidung,
barfuß, später in löchrigen Soldatenstiefeln, die ich auf dem Dachboden gefunden hatte.
Sie boten zum Glück genügend Platz, um sie mit Heu auszufüttern.
Eine freundliche Tschechin hatte mir ein Kopftuch geschenkt, weil sie meinen geschorenen Kopf nicht mehr ansehen wollte.
Weidezäune gab es nicht, man musste beim Weiden immer aufpassen, dass die Tiere nicht davon liefen.
Aber anfangs waren alle mit Fressen beschäftigt, und ich versuchte mich im Gras etwas auszuruhen. Da dauerte es nicht lange und die beiden Hunde kamen und kuschelten sich vorne an mich und bald kam – hätte ich es nicht erlebt, ich würde es nicht glauben – die Ziege, und rums, legte sie sich genau an meinen Rücken.
Hatte sie etwa gefühlt, wie kalt es mir war?
Die Monate vergingen und Weihnachten kam heran.
Ich konnte nicht mehr bei starkem Frost auf dem Dachboden auf dem Strohsack schlafen, aber wo sonst?
Im einzigen Zimmer schlief meine „Herrin“ mit ihren zwei Kindern.
In all den Monaten meiner Anwesenheit durfte ich diesen Raum nicht betreten.
Dann war da noch der Wirtshaussaal, denn beim Hof befand sich eine Gastwirtschaft, aber der war eisig kalt und zugig und lohnte sich nicht zu heizen für die paar Männer, die abends auf ein Bier kamen. Also auf dem Sofa in der Küche.
Na toll, welch ein Fortschritt! – könnte man denken.
Nur, während ich darauf schlafen sollte, saßen vorne dran und um den ganzen Tisch herum, der vor dem Sofa stand, die Männer, einige davon ehemalige Partisanen, bei Bier und Schnaps, die unter solchen Umständen die Finger nicht bei sich halten konnten.
Und so war es auch an Weihnachten.
Das Bier, der Schnaps flossen reichlicher als sonst und die Zudringlichkeiten waren entsprechend. Verzweifelt nahm ich meine Decke und schlich nach draußen, aber wohin?
Der Schnee lag hoch und es war bitterkalt.
Da hörte ich aus dem Stall ein leises Muhen – und ich wusste wohin.
Vorsichtig, daß mich keiner sah, öffnete ich die Stalltür und schlüpfte hinein.
Malina, die Leitkuh, begrüßte mich mit einem freundlichen Muhen, die anderen stimmten
bedächtig ein und die Schafe blökten kurz erstaunt.
Ich nahm im Dunkeln ein Bündel Stroh und legte es bei der Ziege in die Futterkrippe, legte
mich darauf und deckte mich zu.
Da dauerte es nicht lange und die beiden Hunde sprangen zu mir hoch und kuschelten sich an mich. Die Ziege beschnupperte sanft mein Gesicht und leckte meine salzigen Tränen.
Bald aber schliefen wir alle tief und fest in dieser Nacht 1945.
-Gilda Bauer-
@DeutscheDD
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Nun brennen die Kerzen wieder
In stiller, heiliger Nacht,
Und die alten vertrauten Lieder
Sind uns wieder erwacht.
Berge und Wiesen und Wälder
Sind wie daheim verschneit,
Draußen läuten über die Felder
Granaten das Lied der Zeit.
Wir träumen uns in die Ferne,
Ferne Heimat hinaus,
Und stehen am Himmel die Sterne,
Ist unser Herz zu Haus.
So hebt uns die eine Stunde
Ganz aus dem harten Gescheh'n,
Als dürften wir all in der Runde
Euch heimlich ins Fenster seh'n.
Leise verklingen die Lieder,
Mögt ihr in Frieden ruh'n
Wir aber gehen wieder
Draußen auf Posten nun!
-Verfasser unbekannt-
@DeutscheDD
In stiller, heiliger Nacht,
Und die alten vertrauten Lieder
Sind uns wieder erwacht.
Berge und Wiesen und Wälder
Sind wie daheim verschneit,
Draußen läuten über die Felder
Granaten das Lied der Zeit.
Wir träumen uns in die Ferne,
Ferne Heimat hinaus,
Und stehen am Himmel die Sterne,
Ist unser Herz zu Haus.
So hebt uns die eine Stunde
Ganz aus dem harten Gescheh'n,
Als dürften wir all in der Runde
Euch heimlich ins Fenster seh'n.
Leise verklingen die Lieder,
Mögt ihr in Frieden ruh'n
Wir aber gehen wieder
Draußen auf Posten nun!
-Verfasser unbekannt-
@DeutscheDD
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TEIL 1
Das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg
1945 kehrte ich aus dem Kriegseinsatz in meine Heimatstadt Rendsburg in Schleswig-Holstein zurück.
Ich diente als RAD-Flakhelferin in Hannover und Greifswald.
In Hannover waren 70 Kameradinnen einem gezielten Bombenangriff zum Opfer gefallen.
Dieses grauenvolle Erlebnis werde ich nie vergessen.
Aber nun war ich bei meiner Mutter und unser Häuschen war unversehrt geblieben.
Bevor ich zu meiner Weihnachtsgeschichte komme, möchte ich noch einiges erzählen:
Das kleine Haus war voller Menschen, Flüchtlinge aus dem Osten, keine Zwangszuweisungen, nein, meine Mutter nahm alle auf, die in Not waren.
Sie selbst schlief auf einem alten Sofa unter der Dachschräge.
Viele Namen und Gesichter habe ich vergessen, es war ein Kommen und Gehen.
Ich weiß aber, daß eine Mutter mit ihrem kleinen Kind bei uns wohnte, ebenfalls ein netter Herr M. mittleren Alters, und in der Werkstatt meines verstorbenen Vaters hatten wir einen älteren Opernsänger untergebracht.
Ich habe das Ausmaß der Not der Heimatvertriebenen damals nicht in seiner ganzen Tragweite erfasst.
Ich war zu Hause, die Mitbewohner waren nett, manchmal sogar fröhlich, und meine Mutter hielt alles zusammen mit ihrem Humor und ihrer Güte.
In der Küche kochten wir abwechselnd auf der „Kochhexe“.
Wir sammelten Holz, standen beim Schlachter an, um eine Kanne Brühe zu bekommen, nähten Kleider aus Gardinen, Mäntel aus Decken und pflückten Schafwolle von den Zäunen.
Wir aßen oft Brotsuppe, und manchmal stand am Sonntag eine Kaffeetorte auf dem Tisch, gebacken aus Mehl, Magermilch und Kaffee-Ersatz.
In meinem Schulkochbuch gab es einige wohlschmeckende „Kriegsrezepte“, dazu fehlten aber die Zutaten.
Das Fallobst aus unserem Garten verarbeiteten wir gemeinsam zu Apfelringen, die wir zum Trocknen auf eine Leine zogen.
Es war beim schwachen Schein der Haushaltskerzen fast gemütlich.
Einige der Flüchtlinge fanden Angehörige und verließen uns.
Unser Nachbar schnitzte Holzlöffel und Wäscheklammern und baute Stahlhelme um zu Sieben und Kochtöpfen.
Wer geschickt war, konnte aus Binsen Hausschuhe flechten und aus aufgeräufelten Baumwolldecken Kniestrümpfe stricken.
Ich bastelte Holzspielzeug, da meine Mutter eine lange Zeit keinen Rente bekam.
Auch Puppenköpfe schnitzte ich, und meine Mutter und die Flüchtlingsfrauen nähten Körper und Kleider für die Puppen.
Dafür bekam ich etwas Geld oder Eier und einen Topf Milch.
Unsere alte geliebte Kaffeemühle brachte ich in die „Tauschzentrale“ und erhielt dafür Sägeblätter, die ich dringend für meine Werkarbeit benötigte.
Im Nachbardorf Westerrönfeld gründeten wir bald eine Gymnastik- und Volkstanzgruppe.
Wir jungen Menschen brauchten Frohsinn und Beschäftigung in der Gemeinschaft.
In unserer Sportgruppe fanden nun Flüchtlinge und Einheimische zusammen.
Es entstanden Freundschaften, die heute noch Gültigkeit haben.
Nach den Zusammenkünften, es gab auch einen Singkreis, schlichen wir gebückt über die Heide. Die Besatzer hatten Sperrstunde verhängt.
Beim Kanalmeister durfte ich ab und zu, ebenfalls gebückt, einen Handwagen voll Kohlen abholen. Das war ein wunderbares Geschenk für uns alle.
@DeutscheDD
Das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg
1945 kehrte ich aus dem Kriegseinsatz in meine Heimatstadt Rendsburg in Schleswig-Holstein zurück.
Ich diente als RAD-Flakhelferin in Hannover und Greifswald.
In Hannover waren 70 Kameradinnen einem gezielten Bombenangriff zum Opfer gefallen.
Dieses grauenvolle Erlebnis werde ich nie vergessen.
Aber nun war ich bei meiner Mutter und unser Häuschen war unversehrt geblieben.
Bevor ich zu meiner Weihnachtsgeschichte komme, möchte ich noch einiges erzählen:
Das kleine Haus war voller Menschen, Flüchtlinge aus dem Osten, keine Zwangszuweisungen, nein, meine Mutter nahm alle auf, die in Not waren.
Sie selbst schlief auf einem alten Sofa unter der Dachschräge.
Viele Namen und Gesichter habe ich vergessen, es war ein Kommen und Gehen.
Ich weiß aber, daß eine Mutter mit ihrem kleinen Kind bei uns wohnte, ebenfalls ein netter Herr M. mittleren Alters, und in der Werkstatt meines verstorbenen Vaters hatten wir einen älteren Opernsänger untergebracht.
Ich habe das Ausmaß der Not der Heimatvertriebenen damals nicht in seiner ganzen Tragweite erfasst.
Ich war zu Hause, die Mitbewohner waren nett, manchmal sogar fröhlich, und meine Mutter hielt alles zusammen mit ihrem Humor und ihrer Güte.
In der Küche kochten wir abwechselnd auf der „Kochhexe“.
Wir sammelten Holz, standen beim Schlachter an, um eine Kanne Brühe zu bekommen, nähten Kleider aus Gardinen, Mäntel aus Decken und pflückten Schafwolle von den Zäunen.
Wir aßen oft Brotsuppe, und manchmal stand am Sonntag eine Kaffeetorte auf dem Tisch, gebacken aus Mehl, Magermilch und Kaffee-Ersatz.
In meinem Schulkochbuch gab es einige wohlschmeckende „Kriegsrezepte“, dazu fehlten aber die Zutaten.
Das Fallobst aus unserem Garten verarbeiteten wir gemeinsam zu Apfelringen, die wir zum Trocknen auf eine Leine zogen.
Es war beim schwachen Schein der Haushaltskerzen fast gemütlich.
Einige der Flüchtlinge fanden Angehörige und verließen uns.
Unser Nachbar schnitzte Holzlöffel und Wäscheklammern und baute Stahlhelme um zu Sieben und Kochtöpfen.
Wer geschickt war, konnte aus Binsen Hausschuhe flechten und aus aufgeräufelten Baumwolldecken Kniestrümpfe stricken.
Ich bastelte Holzspielzeug, da meine Mutter eine lange Zeit keinen Rente bekam.
Auch Puppenköpfe schnitzte ich, und meine Mutter und die Flüchtlingsfrauen nähten Körper und Kleider für die Puppen.
Dafür bekam ich etwas Geld oder Eier und einen Topf Milch.
Unsere alte geliebte Kaffeemühle brachte ich in die „Tauschzentrale“ und erhielt dafür Sägeblätter, die ich dringend für meine Werkarbeit benötigte.
Im Nachbardorf Westerrönfeld gründeten wir bald eine Gymnastik- und Volkstanzgruppe.
Wir jungen Menschen brauchten Frohsinn und Beschäftigung in der Gemeinschaft.
In unserer Sportgruppe fanden nun Flüchtlinge und Einheimische zusammen.
Es entstanden Freundschaften, die heute noch Gültigkeit haben.
Nach den Zusammenkünften, es gab auch einen Singkreis, schlichen wir gebückt über die Heide. Die Besatzer hatten Sperrstunde verhängt.
Beim Kanalmeister durfte ich ab und zu, ebenfalls gebückt, einen Handwagen voll Kohlen abholen. Das war ein wunderbares Geschenk für uns alle.
@DeutscheDD
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TEIL 2
Die Weihnachtszeit kam nun heran.
Es herrschte bittere Kälte, kaum Brennmaterial war im Haus, unsere Pumpe eingefroren, und an den Fenstern blühten Eisblumen, die heute wohl kein Kind mehr kennt.
Heimlich schleppten wir aus dem „Wilden Moor“ einen Tannenbaum herbei und stellten ihn in
das einzige warme Zimmer.
Dort wollten alle am Weihnachtsabend zusammenkommen.
Ich bastelte Strohsterne und buk Kringel, Brezel und andere Figuren aus Wasserteig für den Baum. Jeder trug etwas bei zum Fest:
Der nette Herr M. war lange mit dem Rad hinter einem Rübenwagen hergefahren, bis endlich eine Rübe herunterfiel, die er meiner Mutter feierlich überreichte. Der Nachbar brachte zwei seiner geschnitzten Löffel, unser Milchmann füllte etwas mehr Milch in die Kanne, die Kaufmannsfrau spendete ein Stück Einheitsseife, und unser Apotheker steckte meiner Mutter „Formamint Tabletten“ zu.
Die waren eigentlich gegen Halsschmerzen gedacht, wurden von uns aber gern als süße Lutschbonbons verzehrt.
Ich hatte Glück und entdeckte in einer Buchhandlung „Andersens Märchen“.
Nun war es soweit!
Der Baum stand in einem alten Wagenrad, geschmückt mit den Strohsternen, dem braunen Gebäck, Kerzenresten aus vergangenen Jahren und den Märchenfiguren, die wir im Krieg für das
Winterhilfswerk verkauft hatten.
So wirkte unser Weihnachtsbaum in seiner Schlichtheit feierlich und schön.
Das kleine Zimmer füllte sich langsam.
Alle Hausbewohner waren erschienen, um gemeinsam das erste Weihnachten im Frieden zu feiern. Ein seltsames Gefühl:
Dankbarkeit, wieder zu Hause zu sein, mit den Heimatvertriebenen zu fühlen und Sehnsucht zu spüren nach Licht und Freude.
Plötzlich ein Klopfen an der Tür!
Ich öffnete.
Ein junger Soldat trat ins Haus, der Sohn des Herrn M. – er kam aus einem Internierungslager.
Nun war er in unserem Kreis, und das war eine große Weihnachtsfreude.
Wir fassten uns an den Händen, sangen die alten Lieder und konnten die Tränen nicht zurückhalten.
Dann fand meine Mutter ein paar aufmunternde Worte und bat zu Tisch.
Was wir gegessen und getrunken haben, weiß ich nicht mehr, die geschenkte Rübe war aber sicher dabei.
Die Stühle reichten nicht, und so holten wir Wehrmachtshocker aus der Küche.
Soldaten einer Sperrballonstellung hatten sie uns bei Kriegsende geschenkt. Ich hatte sie leuchtend rot angestrichen, und mit ihrer Farbe verschönten sie das Weihnachtszimmer.
Nach dem Essen nahm ich mein neues Märchenbuch und las „Die Geschichte vom Tannenbaum“. Am Abend, als meine Mutter und ich ins Bett gehen wollten, hockten zwei Feldmäuschen im Baum und freuten sich über die Wasserkringel. Die schlimme Kälte hatte sie ins Haus getrieben.
Dieser Weihnachtsabend im Jahr 1945 bleibt unvergessen.
Kurz und bescheiden war das Fest, aber dennoch spürte man Hoffnung, Zuversicht und Liebe.
Ich wollte, ich könnte meiner Mutter noch einmal „danke“ sagen!
-Mechthild Nagel-
@DeutscheDD
Die Weihnachtszeit kam nun heran.
Es herrschte bittere Kälte, kaum Brennmaterial war im Haus, unsere Pumpe eingefroren, und an den Fenstern blühten Eisblumen, die heute wohl kein Kind mehr kennt.
Heimlich schleppten wir aus dem „Wilden Moor“ einen Tannenbaum herbei und stellten ihn in
das einzige warme Zimmer.
Dort wollten alle am Weihnachtsabend zusammenkommen.
Ich bastelte Strohsterne und buk Kringel, Brezel und andere Figuren aus Wasserteig für den Baum. Jeder trug etwas bei zum Fest:
Der nette Herr M. war lange mit dem Rad hinter einem Rübenwagen hergefahren, bis endlich eine Rübe herunterfiel, die er meiner Mutter feierlich überreichte. Der Nachbar brachte zwei seiner geschnitzten Löffel, unser Milchmann füllte etwas mehr Milch in die Kanne, die Kaufmannsfrau spendete ein Stück Einheitsseife, und unser Apotheker steckte meiner Mutter „Formamint Tabletten“ zu.
Die waren eigentlich gegen Halsschmerzen gedacht, wurden von uns aber gern als süße Lutschbonbons verzehrt.
Ich hatte Glück und entdeckte in einer Buchhandlung „Andersens Märchen“.
Nun war es soweit!
Der Baum stand in einem alten Wagenrad, geschmückt mit den Strohsternen, dem braunen Gebäck, Kerzenresten aus vergangenen Jahren und den Märchenfiguren, die wir im Krieg für das
Winterhilfswerk verkauft hatten.
So wirkte unser Weihnachtsbaum in seiner Schlichtheit feierlich und schön.
Das kleine Zimmer füllte sich langsam.
Alle Hausbewohner waren erschienen, um gemeinsam das erste Weihnachten im Frieden zu feiern. Ein seltsames Gefühl:
Dankbarkeit, wieder zu Hause zu sein, mit den Heimatvertriebenen zu fühlen und Sehnsucht zu spüren nach Licht und Freude.
Plötzlich ein Klopfen an der Tür!
Ich öffnete.
Ein junger Soldat trat ins Haus, der Sohn des Herrn M. – er kam aus einem Internierungslager.
Nun war er in unserem Kreis, und das war eine große Weihnachtsfreude.
Wir fassten uns an den Händen, sangen die alten Lieder und konnten die Tränen nicht zurückhalten.
Dann fand meine Mutter ein paar aufmunternde Worte und bat zu Tisch.
Was wir gegessen und getrunken haben, weiß ich nicht mehr, die geschenkte Rübe war aber sicher dabei.
Die Stühle reichten nicht, und so holten wir Wehrmachtshocker aus der Küche.
Soldaten einer Sperrballonstellung hatten sie uns bei Kriegsende geschenkt. Ich hatte sie leuchtend rot angestrichen, und mit ihrer Farbe verschönten sie das Weihnachtszimmer.
Nach dem Essen nahm ich mein neues Märchenbuch und las „Die Geschichte vom Tannenbaum“. Am Abend, als meine Mutter und ich ins Bett gehen wollten, hockten zwei Feldmäuschen im Baum und freuten sich über die Wasserkringel. Die schlimme Kälte hatte sie ins Haus getrieben.
Dieser Weihnachtsabend im Jahr 1945 bleibt unvergessen.
Kurz und bescheiden war das Fest, aber dennoch spürte man Hoffnung, Zuversicht und Liebe.
Ich wollte, ich könnte meiner Mutter noch einmal „danke“ sagen!
-Mechthild Nagel-
@DeutscheDD
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Wilde Jagd
Es pfeift im Hagedorn,
Laut ächzt es in den Föhren,
Da läßt sein schmetternd Horn
Der wilde Jäger hören.
Hoch droben durch die Schlucht
Der sturmzerriss'nen Wolke
Jauchzt er in wilder Flucht
Vorbei mit seinem Volke.
Er schwingt den Eschenschaft
In erzgewalt'gen Händen,
Und Lebensüberkraft
Flammt in des Auges Bränden. -
Der du verschmäht die Rast
Des Himmels und des Grabes,
Der du begehrt die Last
Des ew'gen Wanderstabes,
Ruf' mich in Sturm und Nacht
Empor, dich zu geleiten
Auf wilder Lebensjagd
Durch alle Ewigkeiten.
Die Seel' erstickt in mir,
Denk' ich der Gruft, der engen,
Und tobend möcht' ich schier
Des Todes Fesseln sprengen.
Endlose Lebenslust,
Nein! du sollst nicht verrauchen,
Nicht elend in den Wust
Des Staubes untertauchen.
Wenn über meiner Gruft
Die Frühlingswinde pfeifen,
Wenn wirbelnd in der Luft
Die falben Blätter schweifen;
Dann bannt auch mich nicht mehr
Der dumpfe Totenhügel,
Dann jag' auch ich daher
Auf freiem Sturmesflügel!
-Arthur Heinrich Wilhelm Fitger, 04.10.1840 in Delmenhorst – 28.06.1909 in Horn bei Bremen-
@DeutscheDD
Es pfeift im Hagedorn,
Laut ächzt es in den Föhren,
Da läßt sein schmetternd Horn
Der wilde Jäger hören.
Hoch droben durch die Schlucht
Der sturmzerriss'nen Wolke
Jauchzt er in wilder Flucht
Vorbei mit seinem Volke.
Er schwingt den Eschenschaft
In erzgewalt'gen Händen,
Und Lebensüberkraft
Flammt in des Auges Bränden. -
Der du verschmäht die Rast
Des Himmels und des Grabes,
Der du begehrt die Last
Des ew'gen Wanderstabes,
Ruf' mich in Sturm und Nacht
Empor, dich zu geleiten
Auf wilder Lebensjagd
Durch alle Ewigkeiten.
Die Seel' erstickt in mir,
Denk' ich der Gruft, der engen,
Und tobend möcht' ich schier
Des Todes Fesseln sprengen.
Endlose Lebenslust,
Nein! du sollst nicht verrauchen,
Nicht elend in den Wust
Des Staubes untertauchen.
Wenn über meiner Gruft
Die Frühlingswinde pfeifen,
Wenn wirbelnd in der Luft
Die falben Blätter schweifen;
Dann bannt auch mich nicht mehr
Der dumpfe Totenhügel,
Dann jag' auch ich daher
Auf freiem Sturmesflügel!
-Arthur Heinrich Wilhelm Fitger, 04.10.1840 in Delmenhorst – 28.06.1909 in Horn bei Bremen-
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Volk auf dem Wege
Wir schreiten ernst, wir schreiten still,
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit.
Ein Volk, das sich zusammenlitt,
Ein Volk, das um die Sterne stritt
Ein Volk, in dem die Seele rang
Um den Untersterblichkeitsgesang.
Ein Volk, das sich in Demut bog,
Ein Volk, das heiß zum Sturme flog,
Ein Volk, das irrend sich verlor
Und doch noch fand zum großen Tor.
Wir schreiten ernst, wir schreiten still.
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit!
-Herybert Menzel, geboren am 10.08.1906 in Obornik bei Posen – gefallen im Februar 1945 in Tirschtiegel bei Posen-
@DeutscheDD
Wir schreiten ernst, wir schreiten still,
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit.
Ein Volk, das sich zusammenlitt,
Ein Volk, das um die Sterne stritt
Ein Volk, in dem die Seele rang
Um den Untersterblichkeitsgesang.
Ein Volk, das sich in Demut bog,
Ein Volk, das heiß zum Sturme flog,
Ein Volk, das irrend sich verlor
Und doch noch fand zum großen Tor.
Wir schreiten ernst, wir schreiten still.
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit!
-Herybert Menzel, geboren am 10.08.1906 in Obornik bei Posen – gefallen im Februar 1945 in Tirschtiegel bei Posen-
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An die Bäume im Winter ❄️
Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten
Arme reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, ihr müsst noch harren, ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir
Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor!
-Johann Gottfried von Herder, geboren am 25.08.1744 in Mohrungen in Ostpreußen – verstorben am 18.12.1803 in Weimar-
@DeutscheDD
Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten
Arme reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, ihr müsst noch harren, ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir
Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor!
-Johann Gottfried von Herder, geboren am 25.08.1744 in Mohrungen in Ostpreußen – verstorben am 18.12.1803 in Weimar-
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Deutsch sein
Aufrecht und stolz,
zu jedem persönlichen Opfer bereit sein,
der Not und Gefahr kühn ins Auge schauen,
heißt:
deutsch sein!
-Friedrich Fischer-Friesenhausen, 16.11.1886 in Detmold – 31.03.1960 in Soltau-
@DeutscheDD
Aufrecht und stolz,
zu jedem persönlichen Opfer bereit sein,
der Not und Gefahr kühn ins Auge schauen,
heißt:
deutsch sein!
-Friedrich Fischer-Friesenhausen, 16.11.1886 in Detmold – 31.03.1960 in Soltau-
@DeutscheDD
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Sie schweigen noch nicht,
Die seiner Sehnsucht
Der Mensch geewigt
Zu Hochgewalten,
Die thronenden Götter,
Und bannen die Herzen.
Im Götterspiele
Von Welle zu Welle
Des kühnen Geschlechts
Entblättern freier
Und immer gelöster
Die Hüllen der Frucht.
Und immer wieder,
Und nimmer müde
Zurück zur Quelle,
Dem Gange zu lauschen
Der pulsenden Welle,
Findet mein Fuß.
Sehnt Euch, zu ruhen
Von Los und Geschick,
Ihr ewigen Mütter?
Über die Grenzen
Der Ewigkeiten
Weitet den Blick:
Einmal entbunden
Dem Lichte — das Leben
Muß sich entfalten
Im Nehmen und Geben!
💐 -Erwin Guido Kolbenheyer, 30.12.1878 in Budapest - 12.04.1962 in München-
(Aus "Menschen und Götter", 1944)
@DeutscheDD
Die seiner Sehnsucht
Der Mensch geewigt
Zu Hochgewalten,
Die thronenden Götter,
Und bannen die Herzen.
Im Götterspiele
Von Welle zu Welle
Des kühnen Geschlechts
Entblättern freier
Und immer gelöster
Die Hüllen der Frucht.
Und immer wieder,
Und nimmer müde
Zurück zur Quelle,
Dem Gange zu lauschen
Der pulsenden Welle,
Findet mein Fuß.
Sehnt Euch, zu ruhen
Von Los und Geschick,
Ihr ewigen Mütter?
Über die Grenzen
Der Ewigkeiten
Weitet den Blick:
Einmal entbunden
Dem Lichte — das Leben
Muß sich entfalten
Im Nehmen und Geben!
💐 -Erwin Guido Kolbenheyer, 30.12.1878 in Budapest - 12.04.1962 in München-
(Aus "Menschen und Götter", 1944)
@DeutscheDD
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Die Scheidestunde fliegt vorbei
und nun nach allen Enden fort
Doch was uns auch beschieden sei
es gilt als erst und letztes Wort.
Mit Wunsch und Klag ist nichts gethan
es will die Zeit die That des Manns
Schon öffnet sich die Ehrenbahn
wohlan, wer ringen will, der kann´s.
Drum noch einmal die Gläser voll
und ruft´s hinaus in alle Welt
Wir ziehn dahin, lebt wohl, lebt wohl
zum Frieden nicht, es geht ins Feld.
Mit Herz und Hand
wie jubelnd wir geschworen
fürs große Land, fürs Vaterland
Deutschland, das uns geboren!
-Carl Hermann Schauenburg, geboren am 23.04.1819 in Bünde – verstorben am 21.10.1876 in Moers-
@DeutscheDD
und nun nach allen Enden fort
Doch was uns auch beschieden sei
es gilt als erst und letztes Wort.
Mit Wunsch und Klag ist nichts gethan
es will die Zeit die That des Manns
Schon öffnet sich die Ehrenbahn
wohlan, wer ringen will, der kann´s.
Drum noch einmal die Gläser voll
und ruft´s hinaus in alle Welt
Wir ziehn dahin, lebt wohl, lebt wohl
zum Frieden nicht, es geht ins Feld.
Mit Herz und Hand
wie jubelnd wir geschworen
fürs große Land, fürs Vaterland
Deutschland, das uns geboren!
-Carl Hermann Schauenburg, geboren am 23.04.1819 in Bünde – verstorben am 21.10.1876 in Moers-
@DeutscheDD
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Ein alter Brauch zum Jahreswechsel.
Das Bleigießen.
Aus den wieder erstarrten Bleiformen kann man die Zukunft lesen, wie aus alten Runen...
@DeutscheDD
Das Bleigießen.
Aus den wieder erstarrten Bleiformen kann man die Zukunft lesen, wie aus alten Runen...
@DeutscheDD
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