Weihnachten 1945
Anfang Juli 1945 war ich, Jahrgang 1929, aus dem für Deutsche eingerichteten und bald berüchtigten Gefängnis in der vormaligen Post in Nesselsdorf in die Walachischen Berge verbracht worden.
Unweit befindet sich heute der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingerichtete Soldatenfriedhof von Walachisch Meseritz.
Ich sollte auf einem Bauernhof Zwangsarbeit leisten.
Der Bauer des Hofes hatte im Krieg Partisanen beherbergt, war aber von Dorfbewohnern verraten worden.
In dieser Gegend lebten nur Tschechen!
Auf der Flucht vor der deutschen Polizei wurde er dann erschossen.
Seine Frau kam als Mitwisserin ins Gefängnis.
Diese Ausgangsposition war zweifellos für ein deutsches Mädchen 1945 denkbar schlecht.
Meine Aufgabe war unter anderem, nach dem frühen Melken der fünf Kühe und einer Ziege den Stall auszumisten, den Mist abzufahren und mit den Tieren und zwei Schafen auf die Weide gehen.
Mit dabei waren immer die beiden Mischlingshunde, die mir sehr zugetan waren.
Wie kalt waren doch diese frühen Morgenstunden in meiner dürftigen Kleidung,
barfuß, später in löchrigen Soldatenstiefeln, die ich auf dem Dachboden gefunden hatte.
Sie boten zum Glück genügend Platz, um sie mit Heu auszufüttern.
Eine freundliche Tschechin hatte mir ein Kopftuch geschenkt, weil sie meinen geschorenen Kopf nicht mehr ansehen wollte.
Weidezäune gab es nicht, man musste beim Weiden immer aufpassen, dass die Tiere nicht davon liefen.
Aber anfangs waren alle mit Fressen beschäftigt, und ich versuchte mich im Gras etwas auszuruhen. Da dauerte es nicht lange und die beiden Hunde kamen und kuschelten sich vorne an mich und bald kam – hätte ich es nicht erlebt, ich würde es nicht glauben – die Ziege, und rums, legte sie sich genau an meinen Rücken.
Hatte sie etwa gefühlt, wie kalt es mir war?
Die Monate vergingen und Weihnachten kam heran.
Ich konnte nicht mehr bei starkem Frost auf dem Dachboden auf dem Strohsack schlafen, aber wo sonst?
Im einzigen Zimmer schlief meine „Herrin“ mit ihren zwei Kindern.
In all den Monaten meiner Anwesenheit durfte ich diesen Raum nicht betreten.
Dann war da noch der Wirtshaussaal, denn beim Hof befand sich eine Gastwirtschaft, aber der war eisig kalt und zugig und lohnte sich nicht zu heizen für die paar Männer, die abends auf ein Bier kamen. Also auf dem Sofa in der Küche.
Na toll, welch ein Fortschritt! – könnte man denken.
Nur, während ich darauf schlafen sollte, saßen vorne dran und um den ganzen Tisch herum, der vor dem Sofa stand, die Männer, einige davon ehemalige Partisanen, bei Bier und Schnaps, die unter solchen Umständen die Finger nicht bei sich halten konnten.
Und so war es auch an Weihnachten.
Das Bier, der Schnaps flossen reichlicher als sonst und die Zudringlichkeiten waren entsprechend. Verzweifelt nahm ich meine Decke und schlich nach draußen, aber wohin?
Der Schnee lag hoch und es war bitterkalt.
Da hörte ich aus dem Stall ein leises Muhen – und ich wusste wohin.
Vorsichtig, daß mich keiner sah, öffnete ich die Stalltür und schlüpfte hinein.
Malina, die Leitkuh, begrüßte mich mit einem freundlichen Muhen, die anderen stimmten
bedächtig ein und die Schafe blökten kurz erstaunt.
Ich nahm im Dunkeln ein Bündel Stroh und legte es bei der Ziege in die Futterkrippe, legte
mich darauf und deckte mich zu.
Da dauerte es nicht lange und die beiden Hunde sprangen zu mir hoch und kuschelten sich an mich. Die Ziege beschnupperte sanft mein Gesicht und leckte meine salzigen Tränen.
Bald aber schliefen wir alle tief und fest in dieser Nacht 1945.
-Gilda Bauer-
@DeutscheDD
Anfang Juli 1945 war ich, Jahrgang 1929, aus dem für Deutsche eingerichteten und bald berüchtigten Gefängnis in der vormaligen Post in Nesselsdorf in die Walachischen Berge verbracht worden.
Unweit befindet sich heute der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingerichtete Soldatenfriedhof von Walachisch Meseritz.
Ich sollte auf einem Bauernhof Zwangsarbeit leisten.
Der Bauer des Hofes hatte im Krieg Partisanen beherbergt, war aber von Dorfbewohnern verraten worden.
In dieser Gegend lebten nur Tschechen!
Auf der Flucht vor der deutschen Polizei wurde er dann erschossen.
Seine Frau kam als Mitwisserin ins Gefängnis.
Diese Ausgangsposition war zweifellos für ein deutsches Mädchen 1945 denkbar schlecht.
Meine Aufgabe war unter anderem, nach dem frühen Melken der fünf Kühe und einer Ziege den Stall auszumisten, den Mist abzufahren und mit den Tieren und zwei Schafen auf die Weide gehen.
Mit dabei waren immer die beiden Mischlingshunde, die mir sehr zugetan waren.
Wie kalt waren doch diese frühen Morgenstunden in meiner dürftigen Kleidung,
barfuß, später in löchrigen Soldatenstiefeln, die ich auf dem Dachboden gefunden hatte.
Sie boten zum Glück genügend Platz, um sie mit Heu auszufüttern.
Eine freundliche Tschechin hatte mir ein Kopftuch geschenkt, weil sie meinen geschorenen Kopf nicht mehr ansehen wollte.
Weidezäune gab es nicht, man musste beim Weiden immer aufpassen, dass die Tiere nicht davon liefen.
Aber anfangs waren alle mit Fressen beschäftigt, und ich versuchte mich im Gras etwas auszuruhen. Da dauerte es nicht lange und die beiden Hunde kamen und kuschelten sich vorne an mich und bald kam – hätte ich es nicht erlebt, ich würde es nicht glauben – die Ziege, und rums, legte sie sich genau an meinen Rücken.
Hatte sie etwa gefühlt, wie kalt es mir war?
Die Monate vergingen und Weihnachten kam heran.
Ich konnte nicht mehr bei starkem Frost auf dem Dachboden auf dem Strohsack schlafen, aber wo sonst?
Im einzigen Zimmer schlief meine „Herrin“ mit ihren zwei Kindern.
In all den Monaten meiner Anwesenheit durfte ich diesen Raum nicht betreten.
Dann war da noch der Wirtshaussaal, denn beim Hof befand sich eine Gastwirtschaft, aber der war eisig kalt und zugig und lohnte sich nicht zu heizen für die paar Männer, die abends auf ein Bier kamen. Also auf dem Sofa in der Küche.
Na toll, welch ein Fortschritt! – könnte man denken.
Nur, während ich darauf schlafen sollte, saßen vorne dran und um den ganzen Tisch herum, der vor dem Sofa stand, die Männer, einige davon ehemalige Partisanen, bei Bier und Schnaps, die unter solchen Umständen die Finger nicht bei sich halten konnten.
Und so war es auch an Weihnachten.
Das Bier, der Schnaps flossen reichlicher als sonst und die Zudringlichkeiten waren entsprechend. Verzweifelt nahm ich meine Decke und schlich nach draußen, aber wohin?
Der Schnee lag hoch und es war bitterkalt.
Da hörte ich aus dem Stall ein leises Muhen – und ich wusste wohin.
Vorsichtig, daß mich keiner sah, öffnete ich die Stalltür und schlüpfte hinein.
Malina, die Leitkuh, begrüßte mich mit einem freundlichen Muhen, die anderen stimmten
bedächtig ein und die Schafe blökten kurz erstaunt.
Ich nahm im Dunkeln ein Bündel Stroh und legte es bei der Ziege in die Futterkrippe, legte
mich darauf und deckte mich zu.
Da dauerte es nicht lange und die beiden Hunde sprangen zu mir hoch und kuschelten sich an mich. Die Ziege beschnupperte sanft mein Gesicht und leckte meine salzigen Tränen.
Bald aber schliefen wir alle tief und fest in dieser Nacht 1945.
-Gilda Bauer-
@DeutscheDD
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Nun brennen die Kerzen wieder
In stiller, heiliger Nacht,
Und die alten vertrauten Lieder
Sind uns wieder erwacht.
Berge und Wiesen und Wälder
Sind wie daheim verschneit,
Draußen läuten über die Felder
Granaten das Lied der Zeit.
Wir träumen uns in die Ferne,
Ferne Heimat hinaus,
Und stehen am Himmel die Sterne,
Ist unser Herz zu Haus.
So hebt uns die eine Stunde
Ganz aus dem harten Gescheh'n,
Als dürften wir all in der Runde
Euch heimlich ins Fenster seh'n.
Leise verklingen die Lieder,
Mögt ihr in Frieden ruh'n
Wir aber gehen wieder
Draußen auf Posten nun!
-Verfasser unbekannt-
@DeutscheDD
In stiller, heiliger Nacht,
Und die alten vertrauten Lieder
Sind uns wieder erwacht.
Berge und Wiesen und Wälder
Sind wie daheim verschneit,
Draußen läuten über die Felder
Granaten das Lied der Zeit.
Wir träumen uns in die Ferne,
Ferne Heimat hinaus,
Und stehen am Himmel die Sterne,
Ist unser Herz zu Haus.
So hebt uns die eine Stunde
Ganz aus dem harten Gescheh'n,
Als dürften wir all in der Runde
Euch heimlich ins Fenster seh'n.
Leise verklingen die Lieder,
Mögt ihr in Frieden ruh'n
Wir aber gehen wieder
Draußen auf Posten nun!
-Verfasser unbekannt-
@DeutscheDD
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TEIL 1
Das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg
1945 kehrte ich aus dem Kriegseinsatz in meine Heimatstadt Rendsburg in Schleswig-Holstein zurück.
Ich diente als RAD-Flakhelferin in Hannover und Greifswald.
In Hannover waren 70 Kameradinnen einem gezielten Bombenangriff zum Opfer gefallen.
Dieses grauenvolle Erlebnis werde ich nie vergessen.
Aber nun war ich bei meiner Mutter und unser Häuschen war unversehrt geblieben.
Bevor ich zu meiner Weihnachtsgeschichte komme, möchte ich noch einiges erzählen:
Das kleine Haus war voller Menschen, Flüchtlinge aus dem Osten, keine Zwangszuweisungen, nein, meine Mutter nahm alle auf, die in Not waren.
Sie selbst schlief auf einem alten Sofa unter der Dachschräge.
Viele Namen und Gesichter habe ich vergessen, es war ein Kommen und Gehen.
Ich weiß aber, daß eine Mutter mit ihrem kleinen Kind bei uns wohnte, ebenfalls ein netter Herr M. mittleren Alters, und in der Werkstatt meines verstorbenen Vaters hatten wir einen älteren Opernsänger untergebracht.
Ich habe das Ausmaß der Not der Heimatvertriebenen damals nicht in seiner ganzen Tragweite erfasst.
Ich war zu Hause, die Mitbewohner waren nett, manchmal sogar fröhlich, und meine Mutter hielt alles zusammen mit ihrem Humor und ihrer Güte.
In der Küche kochten wir abwechselnd auf der „Kochhexe“.
Wir sammelten Holz, standen beim Schlachter an, um eine Kanne Brühe zu bekommen, nähten Kleider aus Gardinen, Mäntel aus Decken und pflückten Schafwolle von den Zäunen.
Wir aßen oft Brotsuppe, und manchmal stand am Sonntag eine Kaffeetorte auf dem Tisch, gebacken aus Mehl, Magermilch und Kaffee-Ersatz.
In meinem Schulkochbuch gab es einige wohlschmeckende „Kriegsrezepte“, dazu fehlten aber die Zutaten.
Das Fallobst aus unserem Garten verarbeiteten wir gemeinsam zu Apfelringen, die wir zum Trocknen auf eine Leine zogen.
Es war beim schwachen Schein der Haushaltskerzen fast gemütlich.
Einige der Flüchtlinge fanden Angehörige und verließen uns.
Unser Nachbar schnitzte Holzlöffel und Wäscheklammern und baute Stahlhelme um zu Sieben und Kochtöpfen.
Wer geschickt war, konnte aus Binsen Hausschuhe flechten und aus aufgeräufelten Baumwolldecken Kniestrümpfe stricken.
Ich bastelte Holzspielzeug, da meine Mutter eine lange Zeit keinen Rente bekam.
Auch Puppenköpfe schnitzte ich, und meine Mutter und die Flüchtlingsfrauen nähten Körper und Kleider für die Puppen.
Dafür bekam ich etwas Geld oder Eier und einen Topf Milch.
Unsere alte geliebte Kaffeemühle brachte ich in die „Tauschzentrale“ und erhielt dafür Sägeblätter, die ich dringend für meine Werkarbeit benötigte.
Im Nachbardorf Westerrönfeld gründeten wir bald eine Gymnastik- und Volkstanzgruppe.
Wir jungen Menschen brauchten Frohsinn und Beschäftigung in der Gemeinschaft.
In unserer Sportgruppe fanden nun Flüchtlinge und Einheimische zusammen.
Es entstanden Freundschaften, die heute noch Gültigkeit haben.
Nach den Zusammenkünften, es gab auch einen Singkreis, schlichen wir gebückt über die Heide. Die Besatzer hatten Sperrstunde verhängt.
Beim Kanalmeister durfte ich ab und zu, ebenfalls gebückt, einen Handwagen voll Kohlen abholen. Das war ein wunderbares Geschenk für uns alle.
@DeutscheDD
Das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg
1945 kehrte ich aus dem Kriegseinsatz in meine Heimatstadt Rendsburg in Schleswig-Holstein zurück.
Ich diente als RAD-Flakhelferin in Hannover und Greifswald.
In Hannover waren 70 Kameradinnen einem gezielten Bombenangriff zum Opfer gefallen.
Dieses grauenvolle Erlebnis werde ich nie vergessen.
Aber nun war ich bei meiner Mutter und unser Häuschen war unversehrt geblieben.
Bevor ich zu meiner Weihnachtsgeschichte komme, möchte ich noch einiges erzählen:
Das kleine Haus war voller Menschen, Flüchtlinge aus dem Osten, keine Zwangszuweisungen, nein, meine Mutter nahm alle auf, die in Not waren.
Sie selbst schlief auf einem alten Sofa unter der Dachschräge.
Viele Namen und Gesichter habe ich vergessen, es war ein Kommen und Gehen.
Ich weiß aber, daß eine Mutter mit ihrem kleinen Kind bei uns wohnte, ebenfalls ein netter Herr M. mittleren Alters, und in der Werkstatt meines verstorbenen Vaters hatten wir einen älteren Opernsänger untergebracht.
Ich habe das Ausmaß der Not der Heimatvertriebenen damals nicht in seiner ganzen Tragweite erfasst.
Ich war zu Hause, die Mitbewohner waren nett, manchmal sogar fröhlich, und meine Mutter hielt alles zusammen mit ihrem Humor und ihrer Güte.
In der Küche kochten wir abwechselnd auf der „Kochhexe“.
Wir sammelten Holz, standen beim Schlachter an, um eine Kanne Brühe zu bekommen, nähten Kleider aus Gardinen, Mäntel aus Decken und pflückten Schafwolle von den Zäunen.
Wir aßen oft Brotsuppe, und manchmal stand am Sonntag eine Kaffeetorte auf dem Tisch, gebacken aus Mehl, Magermilch und Kaffee-Ersatz.
In meinem Schulkochbuch gab es einige wohlschmeckende „Kriegsrezepte“, dazu fehlten aber die Zutaten.
Das Fallobst aus unserem Garten verarbeiteten wir gemeinsam zu Apfelringen, die wir zum Trocknen auf eine Leine zogen.
Es war beim schwachen Schein der Haushaltskerzen fast gemütlich.
Einige der Flüchtlinge fanden Angehörige und verließen uns.
Unser Nachbar schnitzte Holzlöffel und Wäscheklammern und baute Stahlhelme um zu Sieben und Kochtöpfen.
Wer geschickt war, konnte aus Binsen Hausschuhe flechten und aus aufgeräufelten Baumwolldecken Kniestrümpfe stricken.
Ich bastelte Holzspielzeug, da meine Mutter eine lange Zeit keinen Rente bekam.
Auch Puppenköpfe schnitzte ich, und meine Mutter und die Flüchtlingsfrauen nähten Körper und Kleider für die Puppen.
Dafür bekam ich etwas Geld oder Eier und einen Topf Milch.
Unsere alte geliebte Kaffeemühle brachte ich in die „Tauschzentrale“ und erhielt dafür Sägeblätter, die ich dringend für meine Werkarbeit benötigte.
Im Nachbardorf Westerrönfeld gründeten wir bald eine Gymnastik- und Volkstanzgruppe.
Wir jungen Menschen brauchten Frohsinn und Beschäftigung in der Gemeinschaft.
In unserer Sportgruppe fanden nun Flüchtlinge und Einheimische zusammen.
Es entstanden Freundschaften, die heute noch Gültigkeit haben.
Nach den Zusammenkünften, es gab auch einen Singkreis, schlichen wir gebückt über die Heide. Die Besatzer hatten Sperrstunde verhängt.
Beim Kanalmeister durfte ich ab und zu, ebenfalls gebückt, einen Handwagen voll Kohlen abholen. Das war ein wunderbares Geschenk für uns alle.
@DeutscheDD
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TEIL 2
Die Weihnachtszeit kam nun heran.
Es herrschte bittere Kälte, kaum Brennmaterial war im Haus, unsere Pumpe eingefroren, und an den Fenstern blühten Eisblumen, die heute wohl kein Kind mehr kennt.
Heimlich schleppten wir aus dem „Wilden Moor“ einen Tannenbaum herbei und stellten ihn in
das einzige warme Zimmer.
Dort wollten alle am Weihnachtsabend zusammenkommen.
Ich bastelte Strohsterne und buk Kringel, Brezel und andere Figuren aus Wasserteig für den Baum. Jeder trug etwas bei zum Fest:
Der nette Herr M. war lange mit dem Rad hinter einem Rübenwagen hergefahren, bis endlich eine Rübe herunterfiel, die er meiner Mutter feierlich überreichte. Der Nachbar brachte zwei seiner geschnitzten Löffel, unser Milchmann füllte etwas mehr Milch in die Kanne, die Kaufmannsfrau spendete ein Stück Einheitsseife, und unser Apotheker steckte meiner Mutter „Formamint Tabletten“ zu.
Die waren eigentlich gegen Halsschmerzen gedacht, wurden von uns aber gern als süße Lutschbonbons verzehrt.
Ich hatte Glück und entdeckte in einer Buchhandlung „Andersens Märchen“.
Nun war es soweit!
Der Baum stand in einem alten Wagenrad, geschmückt mit den Strohsternen, dem braunen Gebäck, Kerzenresten aus vergangenen Jahren und den Märchenfiguren, die wir im Krieg für das
Winterhilfswerk verkauft hatten.
So wirkte unser Weihnachtsbaum in seiner Schlichtheit feierlich und schön.
Das kleine Zimmer füllte sich langsam.
Alle Hausbewohner waren erschienen, um gemeinsam das erste Weihnachten im Frieden zu feiern. Ein seltsames Gefühl:
Dankbarkeit, wieder zu Hause zu sein, mit den Heimatvertriebenen zu fühlen und Sehnsucht zu spüren nach Licht und Freude.
Plötzlich ein Klopfen an der Tür!
Ich öffnete.
Ein junger Soldat trat ins Haus, der Sohn des Herrn M. – er kam aus einem Internierungslager.
Nun war er in unserem Kreis, und das war eine große Weihnachtsfreude.
Wir fassten uns an den Händen, sangen die alten Lieder und konnten die Tränen nicht zurückhalten.
Dann fand meine Mutter ein paar aufmunternde Worte und bat zu Tisch.
Was wir gegessen und getrunken haben, weiß ich nicht mehr, die geschenkte Rübe war aber sicher dabei.
Die Stühle reichten nicht, und so holten wir Wehrmachtshocker aus der Küche.
Soldaten einer Sperrballonstellung hatten sie uns bei Kriegsende geschenkt. Ich hatte sie leuchtend rot angestrichen, und mit ihrer Farbe verschönten sie das Weihnachtszimmer.
Nach dem Essen nahm ich mein neues Märchenbuch und las „Die Geschichte vom Tannenbaum“. Am Abend, als meine Mutter und ich ins Bett gehen wollten, hockten zwei Feldmäuschen im Baum und freuten sich über die Wasserkringel. Die schlimme Kälte hatte sie ins Haus getrieben.
Dieser Weihnachtsabend im Jahr 1945 bleibt unvergessen.
Kurz und bescheiden war das Fest, aber dennoch spürte man Hoffnung, Zuversicht und Liebe.
Ich wollte, ich könnte meiner Mutter noch einmal „danke“ sagen!
-Mechthild Nagel-
@DeutscheDD
Die Weihnachtszeit kam nun heran.
Es herrschte bittere Kälte, kaum Brennmaterial war im Haus, unsere Pumpe eingefroren, und an den Fenstern blühten Eisblumen, die heute wohl kein Kind mehr kennt.
Heimlich schleppten wir aus dem „Wilden Moor“ einen Tannenbaum herbei und stellten ihn in
das einzige warme Zimmer.
Dort wollten alle am Weihnachtsabend zusammenkommen.
Ich bastelte Strohsterne und buk Kringel, Brezel und andere Figuren aus Wasserteig für den Baum. Jeder trug etwas bei zum Fest:
Der nette Herr M. war lange mit dem Rad hinter einem Rübenwagen hergefahren, bis endlich eine Rübe herunterfiel, die er meiner Mutter feierlich überreichte. Der Nachbar brachte zwei seiner geschnitzten Löffel, unser Milchmann füllte etwas mehr Milch in die Kanne, die Kaufmannsfrau spendete ein Stück Einheitsseife, und unser Apotheker steckte meiner Mutter „Formamint Tabletten“ zu.
Die waren eigentlich gegen Halsschmerzen gedacht, wurden von uns aber gern als süße Lutschbonbons verzehrt.
Ich hatte Glück und entdeckte in einer Buchhandlung „Andersens Märchen“.
Nun war es soweit!
Der Baum stand in einem alten Wagenrad, geschmückt mit den Strohsternen, dem braunen Gebäck, Kerzenresten aus vergangenen Jahren und den Märchenfiguren, die wir im Krieg für das
Winterhilfswerk verkauft hatten.
So wirkte unser Weihnachtsbaum in seiner Schlichtheit feierlich und schön.
Das kleine Zimmer füllte sich langsam.
Alle Hausbewohner waren erschienen, um gemeinsam das erste Weihnachten im Frieden zu feiern. Ein seltsames Gefühl:
Dankbarkeit, wieder zu Hause zu sein, mit den Heimatvertriebenen zu fühlen und Sehnsucht zu spüren nach Licht und Freude.
Plötzlich ein Klopfen an der Tür!
Ich öffnete.
Ein junger Soldat trat ins Haus, der Sohn des Herrn M. – er kam aus einem Internierungslager.
Nun war er in unserem Kreis, und das war eine große Weihnachtsfreude.
Wir fassten uns an den Händen, sangen die alten Lieder und konnten die Tränen nicht zurückhalten.
Dann fand meine Mutter ein paar aufmunternde Worte und bat zu Tisch.
Was wir gegessen und getrunken haben, weiß ich nicht mehr, die geschenkte Rübe war aber sicher dabei.
Die Stühle reichten nicht, und so holten wir Wehrmachtshocker aus der Küche.
Soldaten einer Sperrballonstellung hatten sie uns bei Kriegsende geschenkt. Ich hatte sie leuchtend rot angestrichen, und mit ihrer Farbe verschönten sie das Weihnachtszimmer.
Nach dem Essen nahm ich mein neues Märchenbuch und las „Die Geschichte vom Tannenbaum“. Am Abend, als meine Mutter und ich ins Bett gehen wollten, hockten zwei Feldmäuschen im Baum und freuten sich über die Wasserkringel. Die schlimme Kälte hatte sie ins Haus getrieben.
Dieser Weihnachtsabend im Jahr 1945 bleibt unvergessen.
Kurz und bescheiden war das Fest, aber dennoch spürte man Hoffnung, Zuversicht und Liebe.
Ich wollte, ich könnte meiner Mutter noch einmal „danke“ sagen!
-Mechthild Nagel-
@DeutscheDD
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Wilde Jagd
Es pfeift im Hagedorn,
Laut ächzt es in den Föhren,
Da läßt sein schmetternd Horn
Der wilde Jäger hören.
Hoch droben durch die Schlucht
Der sturmzerriss'nen Wolke
Jauchzt er in wilder Flucht
Vorbei mit seinem Volke.
Er schwingt den Eschenschaft
In erzgewalt'gen Händen,
Und Lebensüberkraft
Flammt in des Auges Bränden. -
Der du verschmäht die Rast
Des Himmels und des Grabes,
Der du begehrt die Last
Des ew'gen Wanderstabes,
Ruf' mich in Sturm und Nacht
Empor, dich zu geleiten
Auf wilder Lebensjagd
Durch alle Ewigkeiten.
Die Seel' erstickt in mir,
Denk' ich der Gruft, der engen,
Und tobend möcht' ich schier
Des Todes Fesseln sprengen.
Endlose Lebenslust,
Nein! du sollst nicht verrauchen,
Nicht elend in den Wust
Des Staubes untertauchen.
Wenn über meiner Gruft
Die Frühlingswinde pfeifen,
Wenn wirbelnd in der Luft
Die falben Blätter schweifen;
Dann bannt auch mich nicht mehr
Der dumpfe Totenhügel,
Dann jag' auch ich daher
Auf freiem Sturmesflügel!
-Arthur Heinrich Wilhelm Fitger, 04.10.1840 in Delmenhorst – 28.06.1909 in Horn bei Bremen-
@DeutscheDD
Es pfeift im Hagedorn,
Laut ächzt es in den Föhren,
Da läßt sein schmetternd Horn
Der wilde Jäger hören.
Hoch droben durch die Schlucht
Der sturmzerriss'nen Wolke
Jauchzt er in wilder Flucht
Vorbei mit seinem Volke.
Er schwingt den Eschenschaft
In erzgewalt'gen Händen,
Und Lebensüberkraft
Flammt in des Auges Bränden. -
Der du verschmäht die Rast
Des Himmels und des Grabes,
Der du begehrt die Last
Des ew'gen Wanderstabes,
Ruf' mich in Sturm und Nacht
Empor, dich zu geleiten
Auf wilder Lebensjagd
Durch alle Ewigkeiten.
Die Seel' erstickt in mir,
Denk' ich der Gruft, der engen,
Und tobend möcht' ich schier
Des Todes Fesseln sprengen.
Endlose Lebenslust,
Nein! du sollst nicht verrauchen,
Nicht elend in den Wust
Des Staubes untertauchen.
Wenn über meiner Gruft
Die Frühlingswinde pfeifen,
Wenn wirbelnd in der Luft
Die falben Blätter schweifen;
Dann bannt auch mich nicht mehr
Der dumpfe Totenhügel,
Dann jag' auch ich daher
Auf freiem Sturmesflügel!
-Arthur Heinrich Wilhelm Fitger, 04.10.1840 in Delmenhorst – 28.06.1909 in Horn bei Bremen-
@DeutscheDD
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Volk auf dem Wege
Wir schreiten ernst, wir schreiten still,
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit.
Ein Volk, das sich zusammenlitt,
Ein Volk, das um die Sterne stritt
Ein Volk, in dem die Seele rang
Um den Untersterblichkeitsgesang.
Ein Volk, das sich in Demut bog,
Ein Volk, das heiß zum Sturme flog,
Ein Volk, das irrend sich verlor
Und doch noch fand zum großen Tor.
Wir schreiten ernst, wir schreiten still.
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit!
-Herybert Menzel, geboren am 10.08.1906 in Obornik bei Posen – gefallen im Februar 1945 in Tirschtiegel bei Posen-
@DeutscheDD
Wir schreiten ernst, wir schreiten still,
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit.
Ein Volk, das sich zusammenlitt,
Ein Volk, das um die Sterne stritt
Ein Volk, in dem die Seele rang
Um den Untersterblichkeitsgesang.
Ein Volk, das sich in Demut bog,
Ein Volk, das heiß zum Sturme flog,
Ein Volk, das irrend sich verlor
Und doch noch fand zum großen Tor.
Wir schreiten ernst, wir schreiten still.
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit!
-Herybert Menzel, geboren am 10.08.1906 in Obornik bei Posen – gefallen im Februar 1945 in Tirschtiegel bei Posen-
@DeutscheDD
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An die Bäume im Winter ❄️
Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten
Arme reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, ihr müsst noch harren, ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir
Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor!
-Johann Gottfried von Herder, geboren am 25.08.1744 in Mohrungen in Ostpreußen – verstorben am 18.12.1803 in Weimar-
@DeutscheDD
Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten
Arme reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, ihr müsst noch harren, ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir
Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor!
-Johann Gottfried von Herder, geboren am 25.08.1744 in Mohrungen in Ostpreußen – verstorben am 18.12.1803 in Weimar-
@DeutscheDD
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Deutsch sein
Aufrecht und stolz,
zu jedem persönlichen Opfer bereit sein,
der Not und Gefahr kühn ins Auge schauen,
heißt:
deutsch sein!
-Friedrich Fischer-Friesenhausen, 16.11.1886 in Detmold – 31.03.1960 in Soltau-
@DeutscheDD
Aufrecht und stolz,
zu jedem persönlichen Opfer bereit sein,
der Not und Gefahr kühn ins Auge schauen,
heißt:
deutsch sein!
-Friedrich Fischer-Friesenhausen, 16.11.1886 in Detmold – 31.03.1960 in Soltau-
@DeutscheDD
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Sie schweigen noch nicht,
Die seiner Sehnsucht
Der Mensch geewigt
Zu Hochgewalten,
Die thronenden Götter,
Und bannen die Herzen.
Im Götterspiele
Von Welle zu Welle
Des kühnen Geschlechts
Entblättern freier
Und immer gelöster
Die Hüllen der Frucht.
Und immer wieder,
Und nimmer müde
Zurück zur Quelle,
Dem Gange zu lauschen
Der pulsenden Welle,
Findet mein Fuß.
Sehnt Euch, zu ruhen
Von Los und Geschick,
Ihr ewigen Mütter?
Über die Grenzen
Der Ewigkeiten
Weitet den Blick:
Einmal entbunden
Dem Lichte — das Leben
Muß sich entfalten
Im Nehmen und Geben!
💐 -Erwin Guido Kolbenheyer, 30.12.1878 in Budapest - 12.04.1962 in München-
(Aus "Menschen und Götter", 1944)
@DeutscheDD
Die seiner Sehnsucht
Der Mensch geewigt
Zu Hochgewalten,
Die thronenden Götter,
Und bannen die Herzen.
Im Götterspiele
Von Welle zu Welle
Des kühnen Geschlechts
Entblättern freier
Und immer gelöster
Die Hüllen der Frucht.
Und immer wieder,
Und nimmer müde
Zurück zur Quelle,
Dem Gange zu lauschen
Der pulsenden Welle,
Findet mein Fuß.
Sehnt Euch, zu ruhen
Von Los und Geschick,
Ihr ewigen Mütter?
Über die Grenzen
Der Ewigkeiten
Weitet den Blick:
Einmal entbunden
Dem Lichte — das Leben
Muß sich entfalten
Im Nehmen und Geben!
💐 -Erwin Guido Kolbenheyer, 30.12.1878 in Budapest - 12.04.1962 in München-
(Aus "Menschen und Götter", 1944)
@DeutscheDD
❤43👍8👌2
Die Scheidestunde fliegt vorbei
und nun nach allen Enden fort
Doch was uns auch beschieden sei
es gilt als erst und letztes Wort.
Mit Wunsch und Klag ist nichts gethan
es will die Zeit die That des Manns
Schon öffnet sich die Ehrenbahn
wohlan, wer ringen will, der kann´s.
Drum noch einmal die Gläser voll
und ruft´s hinaus in alle Welt
Wir ziehn dahin, lebt wohl, lebt wohl
zum Frieden nicht, es geht ins Feld.
Mit Herz und Hand
wie jubelnd wir geschworen
fürs große Land, fürs Vaterland
Deutschland, das uns geboren!
-Carl Hermann Schauenburg, geboren am 23.04.1819 in Bünde – verstorben am 21.10.1876 in Moers-
@DeutscheDD
und nun nach allen Enden fort
Doch was uns auch beschieden sei
es gilt als erst und letztes Wort.
Mit Wunsch und Klag ist nichts gethan
es will die Zeit die That des Manns
Schon öffnet sich die Ehrenbahn
wohlan, wer ringen will, der kann´s.
Drum noch einmal die Gläser voll
und ruft´s hinaus in alle Welt
Wir ziehn dahin, lebt wohl, lebt wohl
zum Frieden nicht, es geht ins Feld.
Mit Herz und Hand
wie jubelnd wir geschworen
fürs große Land, fürs Vaterland
Deutschland, das uns geboren!
-Carl Hermann Schauenburg, geboren am 23.04.1819 in Bünde – verstorben am 21.10.1876 in Moers-
@DeutscheDD
❤56🫡13👏3🤣1
Ein alter Brauch zum Jahreswechsel.
Das Bleigießen.
Aus den wieder erstarrten Bleiformen kann man die Zukunft lesen, wie aus alten Runen...
@DeutscheDD
Das Bleigießen.
Aus den wieder erstarrten Bleiformen kann man die Zukunft lesen, wie aus alten Runen...
@DeutscheDD
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Zu Neujahr 🎲
Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen!
-Heinrich Christian Wilhelm Busch, geboren am 14.04.1832 in Wiedensahl – verstorben am 09.01.1908 in Mechtshausen-
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Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen!
-Heinrich Christian Wilhelm Busch, geboren am 14.04.1832 in Wiedensahl – verstorben am 09.01.1908 in Mechtshausen-
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Hugin und Munin 🐦⬛️
Dem Gott des Nordens, Odin, stand
Ein Rabenpaar zur Seite,
Der Eine Hugin zubenannt
Und Munin hieß der Zweite;
Es trug sie ihrer Flügel Schwung
Durch alle Zeit und Schranke.-
Munin war die Erinnerung,
Und Hugin der Gedanke.
Treu wurde durch sein Rabenpaar
Dem Gott alltäglich Kunde
Was in der Welt geschehen war -
Daß er auf festem Grunde
Sein Reich gebaut, und Alt und Jung
In Treue niemals wanke,
Deß freut ihn die Erinnerung,
Ergötzt ihn der Gedanke.
Und Odin herrschte lange Zeit
In ungetrübtem Glücke,
Das weckt des bösen Loke Neid,
Durch arge List und Tücke
Lähmt er der Raben Flügelschwung,
Bannt sie in enge Schranke;
Da trübt sich die Erinnerung,
Empört sich der Gedanke!
Und sieh, es fühlt im eig'nen Blut
Odin das Gift des Bösen,
Er will in seinem grimmen Muth
Die Raben nicht erlösen,
Daß sie, wie einst, ihr Flügelschwung
Trage durch Zeit und Schranke -
Da quält ihn die Erinnerung,
Zernagt ihn der Gedanke!
In seinem Zorne will der Gott
Die Raben ganz zerstören,
Daß sie nicht länger, wie zum Spott,
Sich gegen ihn empören.
Doch, trotz gewalt'gem Keulenschwung,
Lebendig in der Schranke
Bleibt Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke.
Ob auch auf kurze Zeit gezähmt,
Sie waren nicht zu zwingen;
Ob auch ihr Flügelpaar gelähmt,
Es wuchsen neue Schwingen,
Und mit gewalt'gem Flügelschwung
Aus Odins Dienst und Schranke
Floh Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke.
Als sich das Rabenpaar entschwang
War Schrecken in Walhalle,
Die Flucht ward Odins Untergang,
Todt sind die Götter alle.
Unsterblich aber, stark und jung
Durch alle Zeit und Schranke
Fliegt Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke!
-Friedrich Martin von Bodenstedt, geboren am 22.04.1819 in Peine – verstorben am 18.04.1892 in Wiesbaden-
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Dem Gott des Nordens, Odin, stand
Ein Rabenpaar zur Seite,
Der Eine Hugin zubenannt
Und Munin hieß der Zweite;
Es trug sie ihrer Flügel Schwung
Durch alle Zeit und Schranke.-
Munin war die Erinnerung,
Und Hugin der Gedanke.
Treu wurde durch sein Rabenpaar
Dem Gott alltäglich Kunde
Was in der Welt geschehen war -
Daß er auf festem Grunde
Sein Reich gebaut, und Alt und Jung
In Treue niemals wanke,
Deß freut ihn die Erinnerung,
Ergötzt ihn der Gedanke.
Und Odin herrschte lange Zeit
In ungetrübtem Glücke,
Das weckt des bösen Loke Neid,
Durch arge List und Tücke
Lähmt er der Raben Flügelschwung,
Bannt sie in enge Schranke;
Da trübt sich die Erinnerung,
Empört sich der Gedanke!
Und sieh, es fühlt im eig'nen Blut
Odin das Gift des Bösen,
Er will in seinem grimmen Muth
Die Raben nicht erlösen,
Daß sie, wie einst, ihr Flügelschwung
Trage durch Zeit und Schranke -
Da quält ihn die Erinnerung,
Zernagt ihn der Gedanke!
In seinem Zorne will der Gott
Die Raben ganz zerstören,
Daß sie nicht länger, wie zum Spott,
Sich gegen ihn empören.
Doch, trotz gewalt'gem Keulenschwung,
Lebendig in der Schranke
Bleibt Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke.
Ob auch auf kurze Zeit gezähmt,
Sie waren nicht zu zwingen;
Ob auch ihr Flügelpaar gelähmt,
Es wuchsen neue Schwingen,
Und mit gewalt'gem Flügelschwung
Aus Odins Dienst und Schranke
Floh Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke.
Als sich das Rabenpaar entschwang
War Schrecken in Walhalle,
Die Flucht ward Odins Untergang,
Todt sind die Götter alle.
Unsterblich aber, stark und jung
Durch alle Zeit und Schranke
Fliegt Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke!
-Friedrich Martin von Bodenstedt, geboren am 22.04.1819 in Peine – verstorben am 18.04.1892 in Wiesbaden-
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Nichts ist untragbar, was notwendig ist.
Auch der Winter ist tragbar.
Und das Alter.
Und der Tod!
Sie kommen ohne zu fragen, wollt ihr's tragen?
Sie kommen.
Und wir tragen's!
🪦 -Ludwig Sophus Felix Dahn, geboren am 09.02.1834 in Hamburg – verstorben am 03.01.1912 in Breslau-
(aus Kampf um Rom)
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Auch der Winter ist tragbar.
Und das Alter.
Und der Tod!
Sie kommen ohne zu fragen, wollt ihr's tragen?
Sie kommen.
Und wir tragen's!
🪦 -Ludwig Sophus Felix Dahn, geboren am 09.02.1834 in Hamburg – verstorben am 03.01.1912 in Breslau-
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Ein jeder muß ein inneres Heiligtum haben,
dem er schwört,
und sich als Opfer in ihm unsterblich machen -
denn Unsterblichkeit muß das Ziel sein!
-Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Bettina von Arnim, 04.04.1785 in Frankfurt am Main – 20.01.1859 in Berlin-
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dem er schwört,
und sich als Opfer in ihm unsterblich machen -
denn Unsterblichkeit muß das Ziel sein!
-Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Bettina von Arnim, 04.04.1785 in Frankfurt am Main – 20.01.1859 in Berlin-
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Dem Herzen nach war es für immer
Nur Gott weiß, wie lange
Ich an dich gedacht,
Beim Wachen und Träumen,
Bei Tag und bei Nacht –
Die Schönheit von Körper
Und Seele im Sinn,
Die schönen Momente
Sind niemals dahin.
Das Schicksal allein
Hält das Herz in der Hand,
Jenseits von Wille
Und Plan und Verstand!
-Christian S.-
(Bild: Arno Breker "Orpheus und Eurydike")
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Nur Gott weiß, wie lange
Ich an dich gedacht,
Beim Wachen und Träumen,
Bei Tag und bei Nacht –
Die Schönheit von Körper
Und Seele im Sinn,
Die schönen Momente
Sind niemals dahin.
Das Schicksal allein
Hält das Herz in der Hand,
Jenseits von Wille
Und Plan und Verstand!
-Christian S.-
(Bild: Arno Breker "Orpheus und Eurydike")
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