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Panikmache, schlechter Journalismus und eine Information ĂĽber KI, die keiner bemerkt hat

Hermann Ploppa* geht gleich aufs Ganze: «Bücherverbrennung im KI-Zeitalter». Derzeit macht ein Bericht des öffentlichen schweizer Rundfunks (SRF) die Runde, der in der Tat titelt:

KI-Firmen kaufen Antiquariate leer – und vernichten die Bücher
Sven Ahnert (SRF, 22. 6. 26)

Wir sind also schon voll in der Welt von Fahrenheit 451 (F. Truffaut, GBR 1966) – oder? Wir lesen im Text:
Ein kanadisches Unternehmen namens Zoom Books kaufte palettenweise vergriffene Ware – Kochbücher, Biografien, Belletristik. Keine Raritäten, sondern das genaue Gegenteil berichtet der Händler: «Gekauft wurden gezielt Non-Fiction-Titel ab 1970 mit ISBN-Nummern – angestaubte Lagerleichen, die seit Jahren niemand wollte. Ein Weiterverkauf ist völlig ausgeschlossen: Die Bücher sind wertlos, und es wurde pro Titel immer exakt nur ein Exemplar gekauft.»


Also nicht Firmen im Plural, sonder eine, und nicht leer sondern palettenweise und auch nur exakt ein Exemplar pro Titel und zwar von – «keine Raritäten» – bibliographischer Massenware. Im Text des Artikels steht das Gegenteil von dem, was die Überschrift suggeriert. Schlechter Journalismus in diesem Fall vom schweizer öffentlichen Rundfunk. Und von Ploppa, der mit «Bücherverbrennung» noch eins draufsetzt.

Wer jemals eine Bibiothek mit solchen Büchern geerbt hat weiß: Das meiste ist nicht zu gebrauchen (auch wegen dem Säurefraß), «ein Weiterverkauf ist völlig ausgeschlossen», Antiquariate nehmen das nicht an. Dergleichen Literatur wandert schon seit Jahrzehnten massenhaft in den Altpapiercontainer. Das hätte der SRF-Journalist recherchieren können. Hat er nicht – noch mal schlechter Journalismus. Aber mit dieser Information wäre es natürlich keine Nachricht gewesen.

Trotzdem ist die Information des Textes interessant. Denn warum kauft eine KI-Firma massenhaft diese Massenliteratur und scannt sie? Der SRF-Autor:
Warum gedruckte Bücher begehrt sind? Die bislang frei zugänglichen Texte im Netz sind für das Training moderner Sprachmodelle weitgehend ausgeschöpft. KI-Unternehmen suchen deshalb gezielt nach alten Fachbüchern aus Regionalgeschichte, Sprach-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften – Texte mit historischen Sprachstufen und stilistischen Feinheiten, die im heutigen Internet noch fehlen.


Kann sein. Meine Vermutung geht in eine andere Richtung: Die Kauf- und Scanaktion hängt mit dem auf diesem Kanal schon seit 3 Jahren unter dem Kürzel #MAD verfolgten KI-Thema «Model Autophagy Disorder» (Modellselbsteinspeisungsstörung) zusammen.

KI «verblödet» – bzw. korrekter ausgedrückt: der Phasenraum von nichttrivialen Maschinen (NTM*) schrumpft –, wenn man in die KI-Modelle ständig KI-Output wieder einspeist, was im Internet automatisch passiert. KI-Modelle müssen mit von Menschen gemachtem Material vorbereitet und immer wieder «verjüngt» werden. Das können Hunderttausende von Billiglöhnern* in Afrika machen. Oder man nimmt als Grundmaterial eben alltägliches Schriftgut das sicher von Menschen geschrieben wurde, weil es aus der Vorinternetzeit stammt. Das Könnte der Hintergrund der Buchankauf- und Scanaktion des KI-Unternehmens sein: man baut sich eine Textdatenbank mit der man die Modelle nach Bedarf immer wieder «entblöden» kann.

Es zeigt sich: Ohne stetige menschliche Arbeitskraft läßt sich die KI nicht am Laufen halten. Das Gerede darüber, «KI» könne irgendwann dem Menschen über sein, ist genau so ein Schwindel, wie «Pandemie», «Klima» oder «Putin».

———
* Ploppa – https://t.me/liepsenverlag/3070
* NTM – https://t.me/weltexperiment/3283
* Billiglöhner – https://t.me/weltexperiment/3244